Textilhandel im Umbruch Online-Shops verdrängen kleine Modehändler

Die Kleiderschränke der Verbraucher sind voll. Und ein immer größerer Teil des Textilhandels wandert ins Internet ab. Viele Modehändler bekamen das bereits 2017 zu spüren. Und das neue Jahr dürfte kaum besser werden.
Kommentieren
Für zahlreiche Modehändler in den deutschen Innenstädten wird das Jahr 2018 nicht einfach werden. Immer mehr Textilhändler wandern ins Internet ab. Quelle: dpa
Schließung von 130 Filialen der Modekette Biba

Für zahlreiche Modehändler in den deutschen Innenstädten wird das Jahr 2018 nicht einfach werden. Immer mehr Textilhändler wandern ins Internet ab.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Schließung aller rund 130 Filialen der Modekette Biba zum Jahreswechsel hat es noch einmal deutlich gemacht: 2017 war für viele Modehändler in den deutschen Innenstädten ein schwieriges Jahr. Doch 2018 könnte es noch schlimmer kommen.

„Die Kunden sind satt, die Kleiderschränke voll, der Markt ist überbesetzt“, beschreibt das Branchenfachblatt „Textilwirtschaft“ in einer Bilanz des Jahres 2017 das Dilemma der Branche. Das führt zu einem immer schärfer werdenden Verdrängungswettbewerb.

Die Branche ist im Umbruch. Online-Händler wie Zalando gewinnen an Boden. Aber auch Hersteller wie Adidas, die mit eigenen Läden und Online-Shops dem Handel Konkurrenz machen, und Billigketten wie Primark schneiden sich ein immer größeres Stück vom Kuchen ab.

Da die Umsätze mit Textilien insgesamt kaum noch wachsen, geht ihr Wachstum auf Kosten der „klassischen“ Modeläden in den Einkaufsstraßen. „Der Textilmarkt ist ein Haifischbecken“, beschreibt Martin Schulte von der Unternehmensberatung Oliver Wyman die Situation. „Die zahlreichen Insolvenzen und Schieflagen der letzten Jahre haben gezeigt, wie umkämpft das Geschäft ist.“

Und der Druck auf Boutiquen und Modehäuser dürfte eher noch zunehmen. „Die Verlagerung der Umsätze im Textilhandel in Richtung Online geht weiter“, ist Michael Gerling vom Kölner Handelsforschungsinstitut EHI überzeugt. Allenfalls das Thema der Umschichtung verringere sich.

Hoffnungslos ist die Situation für die „klassischen“ Modeläden in den Einkaufsstraßen aber dennoch nicht, ist der Branchenkenner überzeugt. „Im Textilbereich wird es immer lokale Platzhirsche geben, die gar keinen Onlineshop haben“, meint er. Doch müsse sich der Fachhändler in der Innenstadt anstrengen, wenn er eine Zukunft haben wolle. Er müsse den Kunden Leistungen anbieten, „die nicht im Internet kopiert werden können“. Das werde dann auch vom Kunden honoriert. Axel Augustin vom Handelsverband Textil (BTE) formuliert es noch schärfer: „Laiendarsteller sind in der Branche nicht mehr überlebensfähig.“

Doch ist nicht nur der Modemarkt in Deutschland von den Umwälzungen betroffen, weltweit ist die Branche im Umbruch. Nach einer gemeinsamen Studie der Unternehmensberatung McKinsey und des Branchenfachblattes „Business of Fashion“ (BoF) dürfte 2018 dank des starken Wachstums in den Schwellenländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas erstmals die Hälfte der Umsätze mit Kleidung und Schuhen außerhalb Europas und Nordamerikas erwirtschaftet werden. Die höchsten Wachstumsraten prognostiziert die Studie für den Luxusbereich und die Discountmode. Im mittleren Preissegment dürften die Zuwächse dagegen eher bescheiden ausfallen.

Kleider machen Milliardäre
Platz 10: Burberry
1 von 10

Der Hoflieferant von Queen Elizabeth und Prince Charles gehört zu den luxuriösesten Modelabels der Welt – und zu den teuersten. Gegründet wurde das Unternehmen 1856. Seit 1920 ist Burberry an der Londoner Börse notiert, die Marke ist Mitglied im FTSE 100 Index.

Umsatz 2015: 3,4 Milliarden Euro*

*Geschäftsjahr 2014/15

Quelle: Umsatzrangliste europäischer Bekleidungsmarken nach der Zeitschrift „TextilWirtschaft“, dfv-Mediengruppe

Platz 9: Prada Group
2 von 10

Die bekannteste Marke der Prada Group ist heute noch Prada, allerdings sind Marke und Unternehmen nicht mehr synonym: Weitere Marken der Prada Group sind Miu Miu, Church’s und The Original Car Shoe. Das Unternehmen Prada wurde 1913 von Mario und Martino Prada gegründet, 1919 stieg der exklusive Hersteller von Handschuhen, Taschen und Koffern zum königlichen Hoflieferanten auf. 1978 übernahm Miuccia Prada, Enkelin von Firmengründer Mario, die Geschäfte und baute die Prada Group zu einem global agierenden Modekonzern aus. Prada eröffnete erst im Jahr 1983 ein zweites Ladenlokal, wie das erste in Mailand liegend.

Umsatz 2015: 3,5 Milliarden Euro

Platz 8: Next
3 von 10

Der britische Modehändler Next, 1982 gegründet, besitzt mittlerweile nach eigenen Angaben über 500 Geschäfte im Vereinigten Königreich und Irland, sowie „nahezu“ 200 Franchise-Stores in 40 Ländern. Er ist mittlerweile zum führenden Online-Modehändler Großbritanniens aufgestiegen und liefert seine Kollektionen in über 72 Länder. Next setzt auf eigene Designs und vertreibt ausschließlich die eigene, gleichnamige Modemarke.

Umsatz 2015: 5,6 Milliarden Euro

Platz 7: C&A
4 von 10

Im Jahr 1841 gründeten die Brüder Clemens und August Brenninkmeijer das Unternehmen 'C. en A.' und eröffneten ein Geschäft, das als eines der ersten Kleidung in Konfektionsgrößen verkaufte. Bis heute befindet sich das Unternehmen in mittlerweile sechster Generation in Besitz der Familie Brenninkmeijer. C&A ist mit 1575 Filialen in 21 europäischen Ländern vertreten und beschäftigt rund 35.000 Mitarbeiter.

Umsatz 2015: 6 Milliarden Euro

Platz 6: Primark
5 von 10

Die erste deutsche Filiale des 1969 gegründeten Textil-Discounters wurde 2009 in Bremen eröffnet, mit mittlerweile 20 Läden ist die Bundesrepublik das Land mit den drittmeisten Primark-Filialen außerhalb des Vereinigten Königreichs. Strategie des irischen Unternehmens ist es, auf in der Regel mehreren tausend Quadratmetern Verkaufsfläche modische Textilien, Schuhe und Accessoires zu extrem niedrigen Preisen anzubieten – damit ist der Konzern anders als andere Textil-Discounter vor allem bei jungen Menschen erfolgreich. Wegen Arbeits-, Lohn- und Produktionsbedingungen in Billiglohnländern steht das Unternehmen immer wieder in der Kritik.

Umsatz 2015: 7,6 Milliarden Euro

Platz 5: Kering
6 von 10

Das französisch-italienische Modeunternehmen Kering wurde 1963 von dem französischen Unternehmer François Pinault gegründet und bis 2005 von diesem geführt. Seit dem 21. März 2005 wird der Konzern von Pinaults Sohn, François-Henri Pinault (im Bild), geleitet. Der Name Kering dürften nur den Wenigsten bekannt sein. Doch mit Labels wie Puma oder Gucci erreicht der Konzern ansehnliche Umsätze.

Umsatz 2015: 11,5 Milliarden Euro

Platz 4: Christian Dior
7 von 10

Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 gegründet, trug Christian Dior maßgeblich dazu bei, dass sich Paris als Modehauptstadt der Welt etablieren konnte. Insgesamt beschäftigt das Unternehmenskonglomerat über 100.000 Mitarbeiter. Für die Modesparte von Dior arbeiten knapp 3600 Menschen.

Umsatz 2015: 12,3 Milliarden Euro

Von der Wettbewerbsdynamik, die in der Branche herrscht, bleibt inzwischen selbst ein Gigant wie H&M nicht mehr verschont. Der Branchenriese, der jahrelang mit seinem neuartigen Verkaufskonzept die Branche aufmischte, wirkt neuerdings verwundbar. Im Ende November abgelaufenen Schlussquartal des Geschäftsjahres 2016/17 mussten die Schweden trotz etlicher Neueröffnungen erstmals in der Unternehmensgeschichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Und die nächste Herausforderung für die Textilbranche steht in Deutschland schon vor der Tür: die Alterung der Gesellschaft und ihre Folgen für den Handel. „Der Markt wird merkbar schrumpfen, besonders in kaufkräftigen Schichten“, prognostiziert Thomas Rasch vom Modeindustrieverband German Fashion die in einigen Jahren zu erwartende Entwicklung. Darauf müsse sich die Branche erst noch einstellen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • dpa
Startseite

Mehr zu: Textilhandel im Umbruch - Online-Shops verdrängen kleine Modehändler

0 Kommentare zu "Textilhandel im Umbruch: Online-Shops verdrängen kleine Modehändler"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%