Textilwirtschaft
Einzelhändler sehen Siegel für nachhaltige Kleidung kritisch

Das vorgeschlagene Siegel für nachhaltig produzierte Kleidung stößt auf wenig Gegenliebe beim Einzelhandel. Die Verpflichtung, Öko- und Sozialstandards zu garantieren, würde Bekleidung unerschwinglich machen.
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KölnDas von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) vorgeschlagene Siegel für nachhaltig produzierte Kleidung stößt auf wenig Gegenliebe beim Einzelhandel. Eine Verpflichtung, „vom Baumwollanbau bis zum Bügel“ Öko- und Sozialstandards zu garantieren, würde Bekleidung „für breite Bevölkerungsschichten unerschwinglich“ machen, erklärte die Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels am Montag. Die Lieferketten seien so verzweigt und so komplex, dass es gar nicht möglich sei, jede Stufe des Produktionsprozess zu überwachen.

Müller hatte der „Welt am Sonntag“ gesagt, das Siegel solle noch in diesem Jahr eingeführt werden. Zunächst brauche es eine Selbstverpflichtung der Branche - er wolle dazu einen runden Tisch der deutschen Textilwirtschaft einberufen. Müller warf der Branche vor, nach Katastrophen wie dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch mit hunderten Toten im vergangenen Jahr viel zu wenig getan zu haben. In Zusammenhang mit schlechten Arbeitsbedingungen der Textilindustrie in Fernost werden immer wieder Vorwürfe laut, westliche Firmen ließen dort ohne Rücksicht auf die Arbeiter produzieren, um sich billige Preise zu sichern.

Die Außenhandelsvereinigung befürchtet durch ein zusätzliches Siegel „noch mehr Etikettenschwindel“, wenn dafür „undurchführbare Vorschriften“ aufgestellt würden. Nur wenn bei den Verantwortlichen vor Ort das Bewusstsein für gute Arbeitsbedingungen wachse, würden sich die Bedingungen wirklich verbessern, erklärte die Vereinigung.

Der Gesamtverbands der deutschen Textil- und Modeindustrie und der Modeverband German Fashion nannten die Einhaltung internationaler Sozial- und Umweltstandards „selbstverständlich“. Es gebe bereits einen Verhaltenskodex für die Branche. Die deutsche Modeindustrie habe an den Importen aus Fernost nur einen Anteil von 20 Prozent, erklärte German Fashion. Den weitaus größeren Teil importierten weltweit agierende Handelskonzerne, die in Fernost in großem Umfang produzieren ließen. Zu einem runden Tisch seien die Verbände aber jederzeit bereit.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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