Themenwoche Landwirtschaft
Beerenhunger

Ob in Bionade, Fassbrausen oder dem populären Cocktail „Hugo“: Holunder ist eine Trendzutat. Kunden stürzen sich auf die Produkte – doch die Landwirte gehen ein hohes Risiko ein, um die Lust auf die Beeren zu stillen.
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WienJahrzehntelang haben sich für Holunder vor allem Reformhauskunden interessiert – in Form von Nektar oder Marmelade. Auf gerade einmal 30 Hektar wurde Ende der 90er-Jahre in Deutschland die Pflanze aus der Familie der Moschuskrautgewächse angebaut. Doch dann kamen Bionade, Hugo und die Fassbrausen.

Mittlerweile beflügeln die dunklen Beeren als Geschmacksnote die Getränkeindustrie. Davon berichtet beispielsweise die Brauerei Veltins, die seit zwei Jahren eine Holunder-Fassbrause anbietet. „Fassbrause ist der Wachstreiber Nummer Eins“, sagt ein Veltins-Sprecher. 2013 verkaufte das Unternehmen von seiner Holunder-Fassbrause 30.000 Hektoliter. Doch das sei noch lange nicht das Ende. „Wir gehen von einem weiteren Wachstum aus“, so der Sprecher.

Die Lust auf die Beeren reißt nicht ab. Die Holunderanbaufläche in Deutschland hat sich mittlerweile fast verzwanzigfacht auf über 550 Hektar. Auf der Landwirtschaftsmesse Grüne Woche, die diese Woche in Berlin startet, stellen etliche Firmen neue Holunder-Produkte vor. Gestillt wird die Nachfrage dabei nicht nur von deutschen Landwirten.

Das europäische Anbauzentrum ist die Steiermark in Österreich, wo der Großteil der 1400 Hektar Anbaufläche im Land liegt. Das sind 40 Prozent mehr als noch 2010. Wer in Mitteleuropa Fruchtsaft verarbeitet, kommt um Bestellungen in Österreich kaum umher. Die Bauern freuen sich, dass ihnen ihr Produkt förmlich aus den Händen gerissen wird. Geerntet werden hauptsächlich Beeren, aber auch Blüten sind ein Markt – etwa für Holunderblüten-Sirup.

Doch Landwirte gehen hohes Risiko, wenn sie die Pflanze anbauen: Vier bis fünf Jahre müssen die Sträucher wachsen, bis sie vollen Ertrag bringen. Außerdem: „Es gibt nur eine Ernteperiode von zwei Wochen. Wenn da das Wetter schlecht ist, gibt es das Risiko eines Totalausfalls“, sagt Tom Bertelshofer, Chef und Mitgesellschafter des Fruchtaufstrichherstellers „Die Beerenbauern“ aus dem fränkischen Niedermirsberg. Die Preise seien im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Grund: In Österreich hatten viele Landwirte Ernteausfälle zu beklagen.

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