Thermomix-Variante von Aldi und Lidl
Der erfolgreiche Klon mit Nebeneffekt

Das teure Original ist heiß begehrt, die günstige Variante ebenso: Küchenmaschinen nach dem Thermomix-Vorbild sorgten in den Filialen von Aldi und Lidl zuletzt für Schlägereien. Jetzt sind sie zum Teil wieder im Angebot.

DüsseldorfEs sind Szenen, die einen Kleinkrieg im Discounter vermuten lassen. Gedränge und Chaos vor den Kassen, Tumulte und Handgreiflichkeiten an den Regalen. Eine 64-Jährige ringt ihre Konkurrentin nieder, reißt ihr das letzte noch verfügbare Produkt aus den Händen und rennt zur Kasse. Eilig zahlt sie den fälligen Betrag, spurtet zu ihrem Auto und braust davon.

Innerhalb weniger Minuten sind alle Produkte aus den Regalen vergriffen, doch die Nachfrage ist weiter ungebrochen. Letztlich muss sogar die Polizei anrücken, um die Tumulte aufzulösen.  Das „schier unstillbare Verlangen“, wie es die Polizei beschreibt, sorgt nicht nur für Streit und Pöbeleien. Es sorgt auch für ein Umdenken der Discounter.

Es ging letztlich nur um eine Küchenmaschine an diesem Oktobertag. Die Discounter Aldi-Süd und Lidl boten jeweils einen Klon des Originals, dem Thermomix von Vorwerk, zu günstigen Konditionen an. Die Discounter-Variante kostete 200 Euro, das Originalprodukt der Marke Vorwerk rund 1100 Euro. Ab heute gibt es die Küchenmaschine wieder bei Lidl zu kaufen – allerdings nur in ausgewählten Märkten. Tumulte wie einen Monat zuvor wird es in den Filialen also nicht geben.

Diesmal läuft alles seelenruhig ab. Eigentlich wie immer. Um Punkt sieben Uhr öffnet die Düsseldorfer Lidl-Filiale ihre Pforten, nur eine Handvoll Kunden möchte an diesem Donnerstagmorgen bereits in aller Frühe ihre Einkäufe erledigen. Von der Küchenmaschine, dem „Monsieur Cuisine“, keine Spur. „Besser so, das war das reinste Chaos“, erinnert sich ein Mitarbeiter. Seine Kollegin ergänzt: „Wenn ich sage, dass es damals Theater gab, würde ich maßlos untertreiben.“

Wenige Kilometer entfernt ein ähnlich harmonisches Bild: Auch hier laufen rund eine halbe Stunde nach Betriebsbeginn nur wenige Kunden durch die Gänge. Wo der „Monsieur Cuisine“ einst stand, liegen jetzt Schuhe und Kleidung. Ein Kunde hat es besonders eilig: Er schnappt sich eine Bohrmaschine aus den Regalen und eilt zur Kasse. Viele Kunden interessieren sich für eine Reihe von Werkzeugen, die seit heute im Angebot sind – nicht aber für das beliebte Küchengerät.

Lidl hat sich entschieden, das Produkt nur „in einzelnen Regionen in Süddeutschland“ anzubieten – eine Erklärung liefert das Unternehmen trotz Handelsblatt-Anfrage nicht. Der Absatzschlager mit Nebenwirkungen bleibt vielen Kunden also zunächst verwehrt. Ab Dezember kann der „Monsieur Cuisine“ dann auch über den Online-Shop bestellt werden.

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