Thomas Cook fusioniert mit My Travel: Karstadt-Quelle greift Tui an

Thomas Cook fusioniert mit My Travel
Karstadt-Quelle greift Tui an

Karstadt-Quelle verschmilzt seine Touristiktochter Thomas Cook überraschend mit dem britischen Konkurrenten My Travel.

dih/ek/ire/rob ESSEN/LONDON. Der neue Touristikkonzern kommt auf einen kombinierten Umsatz von 12 Mrd. Euro und greift damit den europäischen Branchenführer Tui an, der im vergangenen Jahr 14 Mrd. Euro umgesetzt hat. „Wir wollen uns weiter an der Konsolidierung des Touristikmarktes in Europa beteiligen, und wir haben auch die finanziellen Mittel dazu“, kündigte Karstadt-Quelle-Chef Thomas Middelhoff in Essen an.

Der neue Reiseriese, der den Namen Thomas Cook Group tragen soll, wird seinen Hauptsitz in London haben und soll auch dort künftig börsennotiert sein. Doch das Sagen hat die deutsche Seite: Karstadt-Quelle wird 52 Prozent an dem Unternehmen halten und die wichtigsten Managementpositionen besetzen. Konzernchef Middelhoff übernimmt das Amt des Chairmans. Der bisherige Thomas-Cook-Chef Manny Fontenla-Novoa wird als Chief Executive Officer das operative Tourismus-Geschäft bestimmen.

Mit dem Ausbau des Touristikgeschäfts beginnt der Karstadt-Quelle-Chef ein neues Kapitel beim Umbau des Konzerns. Erst vergangene Woche hatte der Handelskonzern Thomas Cook komplett übernommen. Nun wird künftig das Reisegeschäft 58 Prozent des Umsatzes ausmachen. Kaufhäuser und Versandhandel bezeichnete Middelhoff gestern als „gute Ergänzung“ der Tourismussparte.

Touristik wird zum Kerngeschäft

„Middelhoff macht jetzt Ernst damit, dass die Touristik zum Kerngeschäft des Karstadt-Quelle-Konzerns wird“, sagte Branchenexperte Karl Born, Professor für Touristik in Wernigerode und ehemaliger Tui-Vorstand. Das sei auch ein Zeichen für die Mitarbeiter von Thomas Cook, dass sie im Warenhaus-Konzern eine Zukunftsperspektive hätten. Der Touristikexperte der HVB, Christian Obst, wertete die Übernahme von My Travel als „coolen Deal“. Thomas Cook und My Travel hätten im britischen Markt eine ganze Menge Synergien im Vertrieb, die sich relativ schnell realisieren ließen. Die Übernahme mache Sinn, da beide Unternehmen „brutal saniert“ seien. Sie seien schlank aufgestellt, schuldenfrei und könnten damit mühelos weiter wachsen. Eine operative Rendite von drei Prozent sei vorstellbar und in der eher margenschwachen Touristik schon ein großer Erfolg.

Experten sehen Tui nun unter starkem Druck. „Tui ist finanziell relativ klamm und muss daher aus der Defensive agieren“, sagte ein Analyst. Die Aktien von Tui sanken um 1,4 Prozent. Karstadt-Quelle dagegen legten um 4,2 Prozent zu, die Papiere von My Travel stiegen zeitweise sogar um 30 Prozent.

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