Ticketgebühr der Lufthansa

Großer Zoff um 16 Euro

Reiseverbände laufen weiter Sturm gegen die Zusatzgebühr auf Lufthansa-Tickets. Sie berichten, dass viele ihrer Kunden bewusst zu anderen Airlines wechseln. Die Lufthansa sieht das ganz anders.
Die Zusatzgebühr für Flugtickets, die über das System GDS gebucht wird, ärgert die Branche weiterhin. Quelle: dpa
Lufthansa-Ticketschalter

Die Zusatzgebühr für Flugtickets, die über das System GDS gebucht wird, ärgert die Branche weiterhin.

(Foto: dpa)

FrankfurtDer Zoff um zusätzliche Gebühren auf bestimmte Lufthansa-Tickets geht weiter. Rund 100 Tage nach Einführung der neuen Pauschale auf Buchungen über globale Reservierungssysteme (GDS) berichten Reiseverbände, dass viele Kunden bewusst zu anderen Airlines wechselten.

Drei von vier Reisebüros hätten ein geändertes Buchungsverhalten ihrer Kunden beobachtet, teilten die Reiseverbände DRV und VDR am Montag in Frankfurt mit. Mehr als 40 Prozent hätten ihr Verhalten stark bis sehr stark geändert.

„Auf Grundlage der Ergebnisse gehen wir davon aus, dass es bei Flugbuchungen zu Marktverschiebungen kommen wird“, erklärte das DRV-Vorstandsmitglied Stefan Vorndran. „Das ist ein klares Signal an die Lufthansa, ihr bisheriges Vorgehen zu überdenken.“

Die Lufthansa widersprach der Darstellung der Touristiker. Es seien keine Rückgänge aufgrund der Gebühreneinführung zu erkennen, teilte das Unternehmen mit. Die jüngsten negativen Verkehrszahlen für den November seien lediglich vom größten Streik in der Airline-Geschichte geprägt. Im Oktober war ein Passagieranstieg registriert worden.

Die Kunden wechselten nicht die Fluggesellschaft, sondern nutzten verstärkt andere Vertriebswege. So sei im deutschen Markt der Anteil über die eigene Website im Vergleich zum Vorjahr wie beabsichtigt um 6 Punkte auf 37 Prozent gestiegen. Erste Touristikpartner nutzten zudem die neuen direkten Anbindungen an das Lufthansa-System.

Welche Airlines besonders viel mit Extras verdienen
Milliardengeschäft
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Fluggesellschaften profitieren von Zusatzeinnahmen. Das zeigt die Studie „The Car Trawler Yearbook of Ancillary Revenue“ für das Jahr 2014. Dafür analysierte die Idea Works Company die Geschäftsberichte von 130 Airlines weltweit, 63 davon machten Angaben zu Zusatzleistungen. Demnach betrug die Höhe der Zusatzeinnahmen im vergangenen Jahr 38,1 Milliarden Dollar...

Platz 30: Lufthansa
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Auch die Lufthansa nimmt Geld für Zusatzleistungen. So betrug der Zusatzumsatz pro Passagier im vergangenem Jahr durchschnittlich 15,41 Dollar. Insgesamt hat die größte deutsche Fluggesellschaft 1,6 Milliarden Dollar mit Zusatzleistungen erwirtschaftet. Allein mit dem Vielfliegerprogramm „Miles and More“ nahm die Lufthansa 90 Millionen Dollar ein, doppelt so viel wie 2013. Von der Spitze ist sie dennoch weit entfernt: Platz 30.

Platz 23: Ryanair
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Als Zusatzeinnahmen gelten zum Beispiel Gebühren, die für Gepäck und Plätze mit mehr Beinfreiheit erhoben werden, Vielfliegerprogramme und À-la-carte-Services. Auch Meilenverkäufe, zum Beispiel an Kreditpartner, zählen dazu. Der Billigflieger Ryanair ist geradezu bekannt für kostspielige Fallstricke. 2014 machte Ryanair allein durch Zusatzkosten laut der Studie einen Umsatz von 1,9 Milliarden Dollar. Pro Passagier macht das durchschnittlich um die 21 Dollar.

Platz 21: Easyjet
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Auch Easyjet ist ein Billigflieger. Zusätzliche Kosten für „Extra-Wünsche“ wie einen bestimmten Sitzplatz oder aufgegebenes Gepäck schlagen am Ende dennoch zu Buche. So kann ein Flug von Berlin nach Mallorca für 66 Euro ganz schnell teurer werden, zumindest wenn man einen Koffer mitnehmen will. Wer sich diesen Ärger ersparen möchte, kann für eine Jahresgebühr von 170 Dollar Easyjet-Plus-Mitglied. Dafür verspricht die Airline freie Sitzplatzauswahl, spezielle Gepäck-Abgabeschalter, schnellere Sicherheits-Kontrolle und ein schnelleres Boarding. Davon profitiert die britische Fluggesellschaft: Pro Passagier machte Easyjet 2014 einen Zusatzumsatz von 22,49 Dollar. Insgesamt waren das 1,5 Milliarden Dollar.

Platz 15: Virgin America
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Besonders geschäftig bei den Zusatzeinnahmen sind auch die Billigfluggesellschaften aus Übersee: 161 Millionen Dollar erwirtschaftete Virgin America 2014 allein durch Zusatzgebühren. Das waren durchschnittlich 24,71 Dollar pro Passagier.

Platz 14: Aer Lingus
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Heutzutage müssen Speisen und Getränke an Bord gekauft werden. Auch das füllt die Kassen der Airlines. Die irische Fluggesellschaft Aer Lingus nahm pro Passagier durchschnittlich 26,19 Dollar ein. Insgesamt kamen 256 Millionen Dollar an Zusatzgebühren zusammen.

Platz 13: Air France/KLM
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Air France/KLM erlöste 2014 durchschnittlich 26,40 Dollar an Zusatzgebühren pro Passagier. Insgesamt waren es zwei Milliarden Dollar. Billig-Airlines wie Ryanair und Easyjet hatten mit der Einführung von Zusatzgebühren begonnen, mittlerweile hat fast die gesamte Branche nachgezogen.

Lufthansa hatte als erste große Airline zum 1. September eine Gebühr von 16 Euro für jedes Ticket erhoben, das über die GDS gebucht wird. Bis dahin machte diese Ticketart rund 70 Prozent aller Buchungen aus. Lufthansa will die Kunden dazu bringen, ihre Flugreisen direkt beim Konzern zu kaufen. Bei Bestellungen über die Lufthansa-Homepage wird die Gebühr nicht erhoben. Die weltweit aufgestellten Buchungssysteme von Dienstleistern wie Amadeus oder Sabre werden von Firmen, Reisebüros und Internetportalen genutzt. Bezahlt werden sie hingegen über Gebühren von den Fluggesellschaften.

  • dpa
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