Ticona
Chemiefabrik weicht Frankfurter Flughafen

Der Frankfurter Flughafen plant seit Jahren eine neue Landebahn. Doch der stand bislang das Chemiewerk Ticona buchstäblich im Weg. Mitten in der Einflugschneise gelegen, stellt es ein unkalkulierbares Risiko bei möglichen Abstürzen dar. Der Flughafen-Betreiber Fraport hat das Problem jetzt auf die radikale Art gelöst.

HB FRANKFURT. Fraport zahlt Ticona 650 Mill. Euro, damit das zum Celanese-Konzern gehörende Unternehmen seinen Betrieb im hessischen Kelsterbach nahe Frankfurt schließt. Beide Seiten hätten am Mittwoch eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet, teilte die Fraport AG mit, deren Aufsichtsrat dem Abkommen noch zustimmen muss.

Das in der Einflugschneise der geplanten vierten Landebahn liegende Werk soll bis zum 30. Juni 2011 stillgelegt werden. Die zugehörigen Grundstücke werden an Fraport übertragen. Das Chemiewerk – direkt an der Bahntrasse Frankfurt - Köln gelegen – gilt wegen der Risiken bei einem möglichen Flugzeugabsturz als eines der größten Hindernisse für den Ausbau des Flughafens. Ticona verarbeitet hochgiftige Stoffe.

Von der Stilllegung sind etwa 1 000 Mitarbeiter betroffen. Für Beschäftigte, die bei der geplanten Betriebsverlagerung nicht übernommen werden, soll Fraport eine Beschäftigungsgesellschaft gründen, an der den Angaben zufolge auch das Land Hessen beteiligt werden soll. Wo das neue Werk entstehen soll, teilten die Unternehmen nicht mit. Nach Zeitungsberichten hat Ticona den Industriepark in Frankfurt-Höchst im Blick.

Ausbaugegner verlieren wichtigen Verbündeten

Mit dem Abschluss der endgültigen Vereinbarungen wird Ticona der Mitteilung zufolge seine Einwendungen und Klagen gegen den Bestand und den Ausbau des Frankfurter Flughafens zurücknehmen. Der Abschluss der endgültigen Verträge wird bis Ende März 2007 angestrebt. Ein Teil der Entschädigungssumme – 20 Mill. Euro – werde aber noch in 2006 fällig, damit Ticona umgehend mit der Planung des Werksverlagerung beginnen könne, teilte Fraport mit. Der restliche Betrag soll in unterschiedlichen Tranchen zwischen 2008 und 2011 fällig werden.

Gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens haben auch Umweltschützer und zahlreiche umliegende Städte und Gemeinden Klagen angekündigt. Der Widerstand von Ticona galt allerdings unter den Ausbaugegnern als besonders Erfolg versprechend, weil sich das Unternehmen auf Sicherheitsrichtlinien der Europäischen Union für Chemiewerke stützte.

Ticona leidet unter Flughafen

Dass Ticona jetzt einlenkt, kommt zwar überraschend, ist aber nicht verwunderlich. Das Unternehmen leidet seit Jahren unter den über das Werk hinweggehenden Flugrouten. Ticona hatte bereits 2002 eine Erweiterung der Anlage zur Herstellung von technischem Kunststoff von 90 000 auf 130 000 Jahrestonnen beantragt. Wegen der ungelösten Sicherheitsfragen wurde bisher darüber nicht entschieden.

Mit dem Vertrag herrscht nun Klarheit bei Chemiefirma und Flughafen. Die Streitigkeiten haben das Projekt Landebahn Nordwest bereits um zwei Jahre verzögert. Das nach früheren Angaben mehr als 3 Mrd. Euro teure Vorhaben wird frühestens 2010 abgeschlossen sein, also kurz vor dem Wegzug Ticonas.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%