Tiefrote Bilanz
Air Berlin sieht einen Hoffnungsschimmer

Der Verlust bleibt hoch, das Eigenkapital ist immer noch negativ. Doch bei Air Berlin gibt es versteckt erste Hinweise auf eine Besserung. Die Frage ist: Hält diese Entwicklung?
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FrankfurtStefan Pichler, seit Februar Chef von Air Berlin, ist zuversichtlich: „Das erste Quartal ist ordentlich verlaufen“, lässt er sich  in der Mitteilung des Unternehmens über die Zahlen des ersten Quartals zitieren. Verwundert reibt sich der Betrachter die Augen. Das Nettoergebnis ist mit minus 210,1 Millionen Euro so rot wie ein Jahr zuvor, die Nettoverschuldung hat sich mit 782 Millionen Euro nur marginal verbessert. Und das Eigenkapital ist nach IFRS-Rechnungslegung nach wie vor deutlich negativ. Sieht so ein ordentliches Quartals aus? Wohl kaum.

Und doch findet, wer genauer hinschaut, im erschreckenden Quartalsbericht den einen oder anderen ganz zaghaften Hinweis, dass sich bei Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft etwas tut. Ins Auge fällt etwa das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit). Es ist mit minus 159,9 Millionen Euro zwar immer noch deutlich negativ. Aber das ist im chronisch schwachen ersten Quartal in der Luftfahrt nicht ungewöhnlich. Wichtiger ist hingegen, dass das Rot etwas heller geworden ist. Ein Jahr zuvor hatte hier noch minus 182,8 Millionen Euro gestanden.

Die operative Gesundung des Dauer-Sorgenkindes der deutschen Luftfahrt findet sich auch noch an anderen Stellen im Quartalsbericht. Der so genannte Yield hat sich in den ersten drei Monaten um 4,2 Prozent auf 121,66 Euro verbessert. Hinter dem sperrigen Branchenjargon verbirgt sich der Umsatz abzüglich der Kosten pro Passagier und Strecke. Übersetzt heißt das Plus also: Air Berlin setzt pro Sitz mehr um als im ersten Vierteljahr 2014.

Wie das gelungen ist, auch das zeigt der Quartalsbericht. So wurden die Kosten pro Sitz und Kilometer im Zaum gehalten. Inklusive der hochvolatilen Treibstoffrechnung blieben sie nahezu auf Vorjahresniveau. Gleichzeitig hat Air Berlin im ersten Quartal die Platzkapazitäten um 1,5 Prozent erhöht. Das bedeutet nun nicht, dass Air Berlin wieder wächst. Grund waren die die  Osterferien, die in diesem Jahr bereits Ende März begannen. Oster-Zeit ist Reisezeit, was sich in den Zahlen des ersten Quartals widerspiegelt.

Aber Fakt ist: Die zusätzliche Kapazität wurde zu besseren Preisen verkauft. Gleichzeitig stieg auch die Auslastung der Flugzeuge um 1,7 Prozent auf 83,2 Prozent. Alles das bedeutet am Ende: Air Berlin schafft es allmählich, durch eine intelligentere und nachfrageorientierte Preisgestaltung mehr Geld einzufliegen. Unternehmens-Chef Pichler hatte genau das als eine der wesentlichen Baustellen identifiziert.

Nun muss Pichler zeigen, dass diese noch sehr zaghafte Verbesserung auch das ist, was Air Berlin so dringend braucht: eine dauerhafte Trendwende. Denn erst wenn das operative Geschäft wieder Ertrag abwirft und stark genug ist, sich selbst zu finanzieren, lohnt es sich, auch über eine Kapitalisierung der Gesellschaft nachzudenken. Erst dann kann auch das bedrohliche Thema des aufgezehrten Eigenkapitals endlich beseitigt werden. Denn kein Investor wird auf Dauer schlechtem Geld gutes Geld hinterherwerfen.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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