Tierbranche
Swarovski für den Hund

Dating-Portale für das Herrchen, Befindlichkeitsmesser für den Hund, Welpenverkauf zwischen Trockenfutter und Kotbeuteln: Der Tiermarkt boomt – und treibt mitunter seltsame Auswüchse.
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DüsseldorfWer Norbert Zajac am Telefon um einen Gesprächstermin bittet, muss erst einmal versichern, dass er „keiner dieser Tierschützer“ ist. Denn mit denen hat er schon genug Ärger. Der Grund dafür findet sich in seiner Zoohandlung in Duisburg. Laut eigenen Angaben die größte der Welt.

In einer Ecke der 10.000 Quadratmeter großen Verkaufshalle spielen und schlafen in jeweils abgetrennten Kammern hinter Glasscheiben kleine Hundewelpen. Davor ist eine lange Theke, vor der Besucher stehen und mit leuchtenden Augen die niedlichen Tiere anschauen. Das Quietschen und Bellen der kleinen Lebewesen zwickt in den Ohren. Ein Hund kostet je nach Rasse rund 800 Euro, nach einem Beratungsgespräch kann man ihn gleich mit nach Hause nehmen.

Seit Januar verkauft Zajac in seinem Laden Welpen – ein Tabubruch in Deutschland. Obwohl es erlaubt ist, die Tiere im Handel auszustellen und zu verkaufen, haben sich die Zoohändler in Deutschland selbst verpflichtet, es nicht zu tun.

Geld verdienen will Zajac mit dem Tierverkauf jedoch nicht – den weitaus größten Teil seines Umsatzes macht er tatsächlich auch mit dem Verkauf von Zubehör. Etwa mit Wellness-Ionen-Hundehalsbändern für 34,95 Euro das Stück, Näpfen „gegen hastiges Fressen“, Backmischungen für Hunde-Muffins und Futtertieren wie Grillen oder dicke Maden für die Reptilien in Deutschlands Haushalten. Die Hundewelpen sollen nur ins Geschäft locken.
Laut dem Industrieverband Heimtierbedarf haben die Deutschen für ihre Haustiere 2011 rund 3,8 Milliarden Euro ausgegeben. Zehn Jahre zuvor war es noch eine Milliarde Euro weniger.

Das liegt wohl auch daran, dass immer mehr Menschen sich ein Tier nach Hause holen. Laut Erhebungen des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands (ZZF) lebten 2001 noch 4,7 Millionen Hunde und 6,9 Millionen Katzen in deutschen Wohnungen. Heute sind es bereits 7,4 Millionen Hunde Hunde und 12,3 Millionen Katzen. Und die Menschen scheinen immer mehr Geld für ihre Tiere auszugeben.

Bei Zoo Zajac präsentiert sich im Eingangsbereich etwa die Marke Hunter. Unter einem funkelnden Kronleuchter hat die Firma eine ebenso funkelnde Harley Davidson hingestellt, „um die Männer abzulenken, während ihre Frauen einkaufen“, wie Zajac sagt. In den Vitrinen um das Motorrad herum liegen mit Swarovski-Steinen besetzte Tierhalsbänder für bis zu 200 Euro.

„Früher haben wir den Kunden einen Hasen mit Käfig für 60 D-Mark verkauft“, sagt Zajac, der bereits seit 36 Jahren im Zoogeschäft ist. "Wenn ein Mitarbeiter heute nicht zwei Hasen plus Zubehör für 250 Euro verkauft, fragen wir ihn, ob er an dem Tag keine Lust gehabt hat".

Kommentare zu " Tierbranche: Swarovski für den Hund"

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  • "So ein Hund muss auch betreut werden, während Herrchen und Frauchen das Geld für die Therapie verdienen. Das kostet etwa 300-400 Euro im Monat." Da gibt es inzwischen aber auch schon kostengünstigere Varianten.

    Ich hab meinen Hund letztens über eine Plattform vermittelt, Schnuff & Co nannte die sich glaub ich. Da kann man Tiere an Tiersitter abgeben, die sich während der Abwesenheit kümmern und das ist recht günstig.

  • "wer Hunde in der Wohnung hält, wird sehr bals merken, dass die "Freunde" wegbleiben, weil's stinkt."
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    Bei gepflegten Hunden stinkt überhaupt nichts. Der tatsächliche Eigengeruch der Hunde ist ein warmer, leicht erdiger Duft, sehr angenehm und überhaupt nicht aufdringlich! :-)
    Auf "Freunde" kann ich verzichten. Echte Freunde stören sich daran nicht, weil die Hunde Teil der Familie sind.

    "Wer hält denn Tiere in der Wohnung? Eine menschliche Behausung ist kein Stall. → Da fängt's doch schon an mit der Absurdität."
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    Bei Karnickeln oder sonstigen Nutztieren würde ich Ihnen recht geben, bei Hunden (und Katzen) nicht. Speziell die Gemeinschaft Mensch-Hund ist (fossil belegt) MINDESTENS 40.000 Jahre alt, nach genetischen Untersuchungen über 100.000 Jahre und nach weiteren, vagen Hinweisen möglicherweise 400.000 Jahre alt, geht also u.U. bis ins Pleistozän zurück. Das Zusammenleben von Mensch und Hund/Wolf ist also ein sehr alter Weg und selbstverständlich haben Hunde immer das Lager ihrer Menschen geteilt. Das ist heute nicht anders als vor zig tausend Jahren. Unnatürlich ist dagegen, FAMILIENMITGLIEDER in einen Zwinger auszulagern, denn nichts anderes ist "Canis lupus familiaris": "Der Wolf, der zur Familie gehört"!


  • wer Hunde in der Wohnung hält, wird sehr bals merken, dass die "Freunde" wegbleiben, weil's stinkt.

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