Tippgemeinschaften dürfen bald nur noch ein Drittel der Beträge einbehalten
Lotto-Faber vergeht die Lust am Zocken

Dem Lotto-Vermittler Faber, der derzeit Millionen in die Fernsehwerbung steckt, drohen die Gewinne wegzubrechen. Während Firmenchef Norman Faber dem TV-Publikum allabendlich „Höchstchancen auf fünf oder sechs Richtige im Lotto“ verspricht, will ihm der Gesetzgeber nun die eigenen Gewinnaussichten schmälern. Branchenbeobachter rechnen damit, dass er ab Juli 2005 auf die Hälfte seines bisherigen Ertrags verzichten muss.

DÜSSELDORF. Die Ministerpräsidenten der Bundesländer einigten sich bereits im Dezember 2003 darauf, Deutschlands Verbraucher stärker vor „übermäßigen Spielanreizen“ beim Lotto zu schützen. Unter anderem will der neue Lotterie-Staatsvertrag gewerblichen Spielevermittlern die Arbeit erschweren. Höchstens ein Drittel der Spielbeträge dürfen sie ab kommendem Juli noch für Gebühren und Service einbehalten.

Für Faber bedeutet dies womöglich einen herben Rückschlag. Die Bochumer Firma, die ihren Kunden nach eigenen Angaben aussichtsreiche Tippreihen errechnet, verlangt für diese Dienstleistung derzeit meist weit mehr. Auf Anfrage erklärte Firmenchef Faber, sein Unternehmen behalte „27 bis 43 Prozent an Servicegebühren“ ein. Weil nun die Marge deutlich enger wird, hat Faber den Bau seines neuen Firmengebäudes in Bochum gestoppt. „Die Unsicherheit für das weitere Geschäft ist mit dem Staatsvertrag sehr groß“, sagt Norman Faber.

Um den Geschäftsrückgang auszugleichen, senkt das Unternehmen – wie viele Wettbewerber auch – zudem bereits jetzt die Preise. So kostet der „Faber Lotto-Maximator“ bis zu 30 Prozent weniger als sonst.

Auch für kleinere Wettbewerber wie Lotto-Team, Tipp24.de und Eurolotto-Systeme ist der Staatsvertrag ein dicker Brocken. „Gewerbliche Spielvermittler müssen sich neu orientieren, da bisherige Praktiken wie etwa Servicekosten von bis zu 60 Prozent und mehr dann nicht mehr möglich sind“, sagt Boris Hoeller, Rechtsanwalt spezialisiert auf Lotterierecht.

Unternehmen wie Faber dürfen in Deutschland lediglich Tippgemeinschaften betreiben, eigene Lotterien jedoch nicht. Denn das Glücksspielmonopol liegt beim Staat. Nur gemeinnützige Organisationen erhalten eine Lizenz zum Glücksspiel – und auch die nur unter hohen Auflagen. Ausnahmen sind die beiden ostdeutschen Wettanbieter Betandwin sowie Sportwetten Gera, die noch über alte DDR-Lizenzen verfügen.

Die Bundesländer verdienen an der Spiellust der Deutschen prächtig. Allein im vergangenen Jahr waren es 1,7 Mrd. Euro Lotteriesteuer. Das entspricht 16,7 Prozent der Einnahmen der Landeslottogesellschaften, die im Deutschen Lotto- und Totoblock zusammengeschlossen sind, sowie den beiden staatlichen Klassenlotterien SKL und NKL.

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