TNT und Pin
Konkurrenten verbünden sich gegen die Post

Angriff auf den Marktführer: Die Nummer zwei und drei des deutschen Briefgeschäfts wollen gemeinsam der Deutschen Post Konkurrenz machen. Die niederländische Post TNT plant einen Zusammenschluss mit der Pin Group, einer Tochter des Axel Springer Verlags. Das Vorhaben wird durch die politische Entwicklung auf dem Briefmarkt in Deutschland offenbar noch beschleunigt.

DÜSSELDORF. Wie das Handelsblatt aus Branchenkreisen erfuhr, könnte TNT bei der Pin Group einsteigen. An Pin Group, dem schärfsten Konkurrenten der Deutschen Post, hält Springer die Mehrheit. Es werde darüber gesprochen, welche strategischen Optionen es für ein gemeinsames Vorgehen gebe, hieß es in den Kreisen. Springer sei bereit Anteile an Pin abzugeben, wolle aber mit im Boot bleiben. Springer und TNT Post, die deutsche Tochter der TNT, wollten dazu keine Stellung nehmen.

Nach Handelsblatt-Informationen befinden sich die Gespräche noch in einem sehr frühen Stadium. Doch wird noch in diesem Jahr eine Einigung angestrebt. Springer wolle die Anteile auf keinen Fall unter Wert weiter verkaufen, hieß es. Für 510 Mill. Euro hatte Springer erst im Sommer die Mehrheit an der Pin Group erworben; der Verlag hält derzeit 64 Prozent. Weitere Gesellschafter sind die Zeitungsverlage Georg von Holtzbrinck und WAZ. Immer wieder waren in der Branche Zweifel an dem umfassenden Einstieg des Verlags in das Briefgeschäft laut geworden.

Die Diskussion über einen Mindestlohn in der Postbranche hat das Vorhaben offenbar beschleunigt. Denn auf die Post-Konkurrenten kommen damit deutlich höhere Kosten zu. Mit Niedrigpreisen machen sie dem Marktführer in dem personalintensiven Briefgeschäft bislang das Leben schwer. Im kommenden Jahr wird das Briefmonopol vollständig abgeschafft. Pin und TNT hatten zuletzt mit der Übernahme kleinerer Konkurrenten ihre Zustellnetze weiter ausgebaut. Pin peilt in diesem Jahr einen Umsatz von 340 Mill. Euro an und wird voraussichtlich einen Verlust in zweistelliger Millionenhöhe verbuchen.

TNT Post-Chef Mario Frusch hatte erst kürzlich noch die politische Entwicklung auf dem deutschen Briefmarkt heftig kritisiert. Der Cocktail aus einem überhöhten Mindestlohn, dem faktischen Wegfall der Preiskontrolle nach Abschaffung des Briefmonopols und der Mehrwertsteuerbefreiung der Deutschen Post AG könne für eine ganze Branche, die in den vergangenen Jahren massive Investitionen getätigt und am Standort Deutschland bereits über 50 000 neue Arbeitsplätze geschaffen hat, "tödliche" Folgen haben. Als Ergebnis einer solchen Entwicklung stünde die Deutsche Post nach Wegfall des Monopols besser da denn je zuvor, warnte Frusch. TNT Post erzielt in Deutschland einen Umsatz von 200 Mill. Euro (2006) und hat nach eigenen Angaben 100 Mill. Euro in den Aufbau eines Briefnetzes investiert. Beschäftigt werden über 6 000 Mitarbeiter, davon 4 000 Zusteller.

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