Tom-Tailor-Chef Dieter Holzer: „Wir drehen jeden Stein um“

Tom-Tailor-Chef Dieter Holzer
„Wir drehen jeden Stein um“

Dieter Holzer will beim Modehersteller Tom Tailor doppelt so viel einsparen wie angekündigt. Im Interview spricht der viel kritisierte Manager über unzuverlässige Prognosen, Kritik an seinem Gehalt und Polo als Business.
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HamburgIm Foyer der Hamburger Konzernzentrale von Tom Tailor steht eine Vitrine mit Bulle und Bär, den Maskottchen der Börsen. Darauf eine Inschrift: „Wir brauchen Freiheit, um unsere Zukunft zu gestalten. Wir brauchen Gewinne, um frei zu sein.“ Der Schaukasten ist ein Relikt aus der Zeit des Börsengangs 2010 - optimistischere Zeiten.
Wegen des Konzernumbaus und Problemen im neuen Logistiklager ist das Unternehmen knapp an einem Verlust vorbeigeschrammt. Netto blieben 2015 gerade noch 100.000 Euro übrig nach 21,1 Millionen Euro im Jahr zuvor, teilte die Hamburger Firma am Dienstag mit. Bereinigt hätte sich ein Gewinn von 14,3 Millionen Euro ergeben. Der Umsatz legte um 2,5 Prozent auf 955,9 Millionen Euro zu.

Herr Holzer, der Aktienkurs von Tom Tailor hat sich im vergangenen Jahr mehr als halbiert – auch wegen einer Gewinnwarnung im Herbst. Was läuft falsch?
Unsere Kosten sind zu hoch. Wir hätten früher sparen müssen, um die zunehmenden Marktschwankungen auszugleichen. Dazu kamen Sondereffekte: Unser neues, von DHL betriebenes Lager hat uns große Anlaufschwierigkeiten gemacht. Zeitweise konnten wir nicht zuverlässig liefern. Aber bei den Händlern schlägt sich Tom Tailor ausgesprochen gut: Wir gewinnen Marktanteile.

Die Aktionäre sehen das offenbar anders, sonst wäre ja die Aktie nicht so eingebrochen.
Wir haben aus Kapitalmarktsicht die Erwartungen zu oft enttäuscht. Künftig müssen wir unsere Prognose so ausrichten, dass wir den Markt nicht enttäuschen – egal, ob wir dann mit der Prognose alle zufriedenstellen.

Sie sind seit neun Jahren Vorstandschef, also für all das verantwortlich. Sind Sie überhaupt der Richtige, um das Vertrauen wiederherzustellen?
Ich sehe mich weiterhin am richtigen Platz. Ich habe das Unternehmen gemeinsam mit meinem Team mehrfach zuverlässig durch Herausforderungen wie zum Beispiel die Baumwollkrise vor einigen Jahren gesteuert. Das Vertrauen bekommen wir vor allem dann wieder, wenn wir Bonita stabilisieren. Die Übernahme dieser auf kaufkräftige „Best Ager“ spezialisierten Modekette kam ja 2012 im Kapitalmarkt sehr gut an. Die Logik hat sich jedem erschlossen: Die Aktie stieg auf 18 Euro.

Heute liegt sie unter 4,50 Euro…
Die Ergebnissituation von Bonita war bisher zu instabil. Das Vertrauen der Investoren können wir jedoch zurückerlangen – nicht morgen, aber über mehrere Quartale.

Wann wird es endlich die versprochenen positiven Effekte aus der Bonita-Übernahme geben?
Aus dem gemeinsamen Einkauf sehen wir bereits positive Effekte in der Margenentwicklung. Auch das Filialformat ist exzellent. Die Produkte müssen wie allerdings besser auf die Bedürfnisse der Kundinnen ausrichten.

Bei der Bonita-Übernahme haben Sie angekündigt, damit auch Lagerkapazitäten dazuzubekommen, so dass Sie kein neues Tom-Tailor-Lager aufbauen müssten. Wieso haben Sie nun doch das zunächst störanfällige neue Lager in Hamburg gebaut?
Wir haben die Bonita-Logistik in Teilen als Blaupause für unsere neue Tom-Tailor-Logistik genutzt, in die rund 80 Millionen Euro investiert wurden. Die Bonita-Logistik hat noch zwar Kapazitäten, aber im Augenblick wäre die Zusammenführung nicht sinnvoll.

Die damalige Hoffnung…
…ist noch gegeben. Wir könnten zu einem späteren Zeitpunkt die Synergien in der Logistik nutzen.

Welche Zukunft hat die Marke Bonita selbst? Best Ager wollen ja immer weniger als Senioren angesprochen werden. Ist die Marke noch zeitgemäß?
Die Marke Bonita ist sehr gut und wertvoll. Die Produkte müssen aber noch dichter an aktuelle Trends. Deshalb haben wir auch kürzlich eine neue Bonita-Führung bestellt, die ein besseres Zielgruppenverständnis mitbringt.

Kommentare zu " Tom-Tailor-Chef Dieter Holzer: „Wir drehen jeden Stein um“"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Ich weiss ja nicht was Sie alles an der Stelle noch von sich gegeben haben, aber um der Sache hier das entsprechende sachliche Argument zu liefern.

    An der Stelle tritt doch immer das McKinsey-Phänomen auf, wenn man die im Haus hat, steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Pleite exorbitant an. Der Grund ist, dass sie erstmal die Kosten radikal senken, böse ausgedrückt: eine Firma die es nicht gibt, macht auch keine Miesen! Nach dem Programm hat man dann erst eine gewisse Zeit schöne schwarze Zahlen.... und dann sinkt der Umsatz wieder...

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