Tom-Tailor-Chef Dieter Holzer „Wir drehen jeden Stein um“

Dieter Holzer will beim Modehersteller Tom Tailor doppelt so viel einsparen wie angekündigt. Im Interview spricht der viel kritisierte Manager über unzuverlässige Prognosen, Kritik an seinem Gehalt und Polo als Business.
Update: 23.02.2016 - 10:10 Uhr 21 Kommentare
„Wir werden in diesem Jahr voraussichtlich 80 bis 100 unserer 1500 Stores schließen.“ Quelle: dpa
Tom-Tailor-Chef Dieter Holzer

„Wir werden in diesem Jahr voraussichtlich 80 bis 100 unserer 1500 Stores schließen.“

(Foto: dpa)

HamburgIm Foyer der Hamburger Konzernzentrale von Tom Tailor steht eine Vitrine mit Bulle und Bär, den Maskottchen der Börsen. Darauf eine Inschrift: „Wir brauchen Freiheit, um unsere Zukunft zu gestalten. Wir brauchen Gewinne, um frei zu sein.“ Der Schaukasten ist ein Relikt aus der Zeit des Börsengangs 2010 - optimistischere Zeiten.
Wegen des Konzernumbaus und Problemen im neuen Logistiklager ist das Unternehmen knapp an einem Verlust vorbeigeschrammt. Netto blieben 2015 gerade noch 100.000 Euro übrig nach 21,1 Millionen Euro im Jahr zuvor, teilte die Hamburger Firma am Dienstag mit. Bereinigt hätte sich ein Gewinn von 14,3 Millionen Euro ergeben. Der Umsatz legte um 2,5 Prozent auf 955,9 Millionen Euro zu.

Herr Holzer, der Aktienkurs von Tom Tailor hat sich im vergangenen Jahr mehr als halbiert – auch wegen einer Gewinnwarnung im Herbst. Was läuft falsch?
Unsere Kosten sind zu hoch. Wir hätten früher sparen müssen, um die zunehmenden Marktschwankungen auszugleichen. Dazu kamen Sondereffekte: Unser neues, von DHL betriebenes Lager hat uns große Anlaufschwierigkeiten gemacht. Zeitweise konnten wir nicht zuverlässig liefern. Aber bei den Händlern schlägt sich Tom Tailor ausgesprochen gut: Wir gewinnen Marktanteile.

Die Aktionäre sehen das offenbar anders, sonst wäre ja die Aktie nicht so eingebrochen.
Wir haben aus Kapitalmarktsicht die Erwartungen zu oft enttäuscht. Künftig müssen wir unsere Prognose so ausrichten, dass wir den Markt nicht enttäuschen – egal, ob wir dann mit der Prognose alle zufriedenstellen.

Sie sind seit neun Jahren Vorstandschef, also für all das verantwortlich. Sind Sie überhaupt der Richtige, um das Vertrauen wiederherzustellen?
Ich sehe mich weiterhin am richtigen Platz. Ich habe das Unternehmen gemeinsam mit meinem Team mehrfach zuverlässig durch Herausforderungen wie zum Beispiel die Baumwollkrise vor einigen Jahren gesteuert. Das Vertrauen bekommen wir vor allem dann wieder, wenn wir Bonita stabilisieren. Die Übernahme dieser auf kaufkräftige „Best Ager“ spezialisierten Modekette kam ja 2012 im Kapitalmarkt sehr gut an. Die Logik hat sich jedem erschlossen: Die Aktie stieg auf 18 Euro.

Heute liegt sie unter 4,50 Euro…
Die Ergebnissituation von Bonita war bisher zu instabil. Das Vertrauen der Investoren können wir jedoch zurückerlangen – nicht morgen, aber über mehrere Quartale.

Wann wird es endlich die versprochenen positiven Effekte aus der Bonita-Übernahme geben?
Aus dem gemeinsamen Einkauf sehen wir bereits positive Effekte in der Margenentwicklung. Auch das Filialformat ist exzellent. Die Produkte müssen wie allerdings besser auf die Bedürfnisse der Kundinnen ausrichten.

Bei der Bonita-Übernahme haben Sie angekündigt, damit auch Lagerkapazitäten dazuzubekommen, so dass Sie kein neues Tom-Tailor-Lager aufbauen müssten. Wieso haben Sie nun doch das zunächst störanfällige neue Lager in Hamburg gebaut?
Wir haben die Bonita-Logistik in Teilen als Blaupause für unsere neue Tom-Tailor-Logistik genutzt, in die rund 80 Millionen Euro investiert wurden. Die Bonita-Logistik hat noch zwar Kapazitäten, aber im Augenblick wäre die Zusammenführung nicht sinnvoll.

Die damalige Hoffnung…
…ist noch gegeben. Wir könnten zu einem späteren Zeitpunkt die Synergien in der Logistik nutzen.

Welche Zukunft hat die Marke Bonita selbst? Best Ager wollen ja immer weniger als Senioren angesprochen werden. Ist die Marke noch zeitgemäß?
Die Marke Bonita ist sehr gut und wertvoll. Die Produkte müssen aber noch dichter an aktuelle Trends. Deshalb haben wir auch kürzlich eine neue Bonita-Führung bestellt, die ein besseres Zielgruppenverständnis mitbringt.

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21 Kommentare zu "Tom-Tailor-Chef Dieter Holzer: „Wir drehen jeden Stein um“"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Ich weiss ja nicht was Sie alles an der Stelle noch von sich gegeben haben, aber um der Sache hier das entsprechende sachliche Argument zu liefern.

    An der Stelle tritt doch immer das McKinsey-Phänomen auf, wenn man die im Haus hat, steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Pleite exorbitant an. Der Grund ist, dass sie erstmal die Kosten radikal senken, böse ausgedrückt: eine Firma die es nicht gibt, macht auch keine Miesen! Nach dem Programm hat man dann erst eine gewisse Zeit schöne schwarze Zahlen.... und dann sinkt der Umsatz wieder...

  • Da möchte ich Ihnen widersprechen! Die glauben immer, dass sie alle Gebiete beherrschen. Befreit von jeder Fachkompetenz kann man dann alles anstellen.

    Im Gegenteil, wenn jeder Manager alles kann, dann ist das Angebot an entsprechenden Leuten doch sehr gut, also Preis runter. Dann lernen wir alle die McKinsey-Folien auswendig und schon läuft alles!

    Und auf diesen Fall nochmal gemünzt: jeden Stein umdrehen, ist nun wirklich die einfachste Aufgabe, das kann wirklich jeder D... Die Filialen mit neuem und guten Geschäft in die Gewinnzone zu fahren, dass wäre eine entsprechende Vergütung wert! Da könnte er meinetwegen 20 % vom zusätzlichen Gewinn haben!

  • @ HB, ja tut mir leid, das Posting ja war unsachlich und wurde zurecht von Ihnen gelöscht! Ich entschuldige mich dafür!

  • Noch was: unser Herr Ackermann hat auch mal so argumentiert, man bräuchte ja die Spitzenleute. Wenn ich mir die Deutsche Bank heute ansehe, ja ... die hätte man gebraucht. Aber offensichtlich hat man anderen Leuten diese Gehälter bezahlt!

    Wer gut arbeitet, soll gutes Geld verdienen! Aber das gilt nicht nur für Manager! Auch ein Manager ist nur Angestellter! Ich bin gegen Neiddebatten, und wenn ein Manager Außergewöhnliches leistet, dann soll er am Ertrag auch partizipieren. Aber eben in dem Rahmen!

    Jede Filiale, die der Herr schließt trägt halt auch zum Umsatz bei. Er bucht aber nicht produktiv, er ist Overhead! Das sollte man nicht vergessen!

  • Generell stimme ich ihnen zu.

    Aber man weiß schon (vorher), was ein guter Manager ist und was eine Husche ist. Und wenn es eine Spitzenkraft ist, MUSS man sie auch fürstlich bezahlen.

    Eine Näherin dagegen ist sehr spezialisiert. Es dürfte bei ihr sehr schwer sein, dass sie plötzlich als Dreherin arbeiten kann und dabei auch so gut ist. Bei einem Manager ist es dagegen egal, ob er eine Modebetrieb saniert, oder eine Autofirma.

  • Hallo Tom,
    Sie haben natürlich Recht, ich habe da vielleicht etwas übers Ziel hinausgeschossen, aber der Trend den ich beschreibe ist überall sichtbar. Ich bin einfach wütend, das wir als Gesellschaft diese zunehmenden Negativentwicklungen einfach so hinnehmen.
    Egel wohin man schaut, mit wem man spricht, überall nur noch Abbau und Sparprogramme, Geschäftsschliessungen, Insolvenzen einhergehend mit Arbeitslosigkeit, während gleichzeitig bestimmte Klientel im Geld schwimmen und nicht wissen wohin mit ihrem Reichtum. Ich hoffe, Sie verstehen was ich meine.
    Und nein, dass hat auch nichts mit Neid oder dergleichen zu tun, sondern mit Anstand und Fairness gegenüber dem Mitmenschen.
    Für die Verallgemeinerung „asozialen Drecksäue“ und „die Kopfschüsse“ entschuldige ich mich, das war meiner Wut und Emotion beim Lesen des Textes und anschliessendem Schreiben geschuldet. MIt Sicherheit gibt es aber Personen im Management, auf die diese Beschreibung zutreffend ist. Natürlich kann man dies nicht verallgemeinern, da stimme ich Ihnen vollkommen und auch ganz zu.

  • Kleines Fixum, sagen wir 1 Mio. €, und den Rest nur bei einstellendem Erfolg. Dann wäre das Problem mit seinem Gehalt gelöst. So einfach ist das.

  • Ich halte Ihr Statement für übertrieben, weil eben die Vielzahl der Manager eben nicht so handelt wie Sie es beschreiben. Aber da gibt es so eine kleine Clique, die sich verselbständigt hat, generell ist das aber nicht so (wenn wir die Finanzwirtschaft ausklammern).

    Die VDI-nachrichten hatten vor Jahren mal einen Artikel mit dem Titel "Einfach mal den Chef outsourcen". Inhalt des Artikels war, dass viele Arbeitnehmer das Argument hören, was Arbeiter in Indien etc. verdienen. Naja... dann hat man nachgesehen, was die CEOs von wirklich großen Firmen in Indien verdienen. :-)

    Und das die schlechter wären als unsere Manager konnte noch keiner darlegen (die Deutsche Bank hatte ja auch schon mal einen Inder als Co-Chef)

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