Tourismus-Konzern benötigt "Rechtssicherheit"
Tui zeigt Gesprächsbereitschaft im Schmerzensgeld-Streit

Im Streit um Schmerzensgeld für ein fünfjähriges Opfer des Terroranschlages von Djerba hat die Klage gegen TUI nach Aussage der Richterin wenig Aussicht auf Erfolg. Dennoch zeigt sich der Konzern bereit zu einer außergerichtlichen Einigung. Nicht nur TUI erhofft sich "Rechtssicherheit". Das Urteil ist für die gesamte Branche von grundsätzlicher Bedeutung. Eine Entscheidung soll am 27. Oktober verkündet werden.

HB HANNOVER. Im Streit um Schmerzensgeld für ein fünfjähriges Opfer des Terroranschlags von Djerba will die Tui nochmals außerhalb des Gerichtssaals mit der Familie des Jungen sprechen. Der schwer verletzte Adrian Esper hatte die TUI-Tochter 1-2-Fly vor dem Landgericht Hannover auf 100 000 Euro Schmerzensgeld, eine monatliche Rente von 500 EUR zuzüglich eines monatlichen Betreuungszuschlages von 300 EUR verklagt.

„Der Reiseveranstalter hat seine Informationspflicht verletzt“, sagte der Vater des Jungen, Michael Esper, in der einstündigen Verhandlung vor der Zivilkammer am Mittwoch. Richterin Britta Knüllig-Dingeldey deutete allerdings bereits an, dass die Klage wenig Aussicht auf Erfolg habe.

TUI-Anwalt Alfred Pesch wies die Forderungen der Familie vehement zurück, kündigte als humanitäre Geste aber die Bereitschaft zu Vergleichsgesprächen an: „Diese lehnen wir nicht unter allen Umständen ab.“ Der kleine Adrian war nicht zum Prozess gekommen. Die Entscheidung soll am 27. Oktober verkündet werden.

Familie Esper aus Bergkamen in Nordrhein-Westfalen hatte am 11. April 2002 bei einem Tagesausflug die Synagoge La Ghriba besucht. Vor dem Gebäude ließen Terroristen einen Tankwagen explodieren. 22 Menschen starben, Adrian erlitt schwerste Verbrennungen an 40 Prozent seiner Haut. „Er wird sein Leben lang auf Hilfe angewiesen sein“, sagte Richterin Knüllig-Dingeldey. „Das Gericht wird prüfen müssen, ob Tui ein schuldhaftes Verhalten vorzuwerfen ist.“ Dabei sei zu berücksichtigen, dass das Auswärtige Amt unmittelbar vor dem Anschlag nur vor Kleinkriminalität in Touristenhochburgen gewarnt hatte. Außerdem hätten zahlreiche Reiseveranstalter regelmäßig Tagesausflüge auf Djerba organisiert.

Dagegen meinen die Espers, schon in den Wochen vor dem Anschlag, zu dem sich das Terrornetzwerk El Kaida bekannt hatte, seien Touristenbusse angegriffen worden. Durch seine Mitarbeiter vor Ort hätte das Tochterunternehmen des weltgrößten Touristikkonzerns Tui davon wissen und die Urlauber warnen müssen. „Wenn wir diese Information gehabt hätten, wären wir nicht zur Synagoge gefahren“, erklärte Michael Esper.

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