Tourismus
Messen lassen die Kassen klingeln

Etliche Kommunen investieren in Messegelände in der Hoffnung auf höhere Steuereinnahmen. Doch ob sich diese Investitionen wirklich rechnen, bleibt oft unklar. Eine neue Studie von Roland Berger hat nun untersucht, welche Kommunen und Branchen besonders von einer funktionierenden Messe profitieren können.

MÜNCHEN. Messen sorgen in der deutschen Wirtschaft jährlich für Produktionseffekte von 23,5 Mrd. Euro und erzeugen gleichzeitig einen Beschäftigungseffekt von 226 000 Vollzeitarbeitsplätzen, wie das Münchener Ifo Institut ermittelte. Denn sie haben neben ihrer eigentlichen Funktion als Absatzinstrument über ihre Umwegrentabilität eine erhebliche Bedeutung als Instrument kommunaler Wirtschaftsförderung. Doch so manche Kommunen sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten in einen ruinösen Investitionswettlauf eingetreten. Weltweit flossen Milliarden in den Bau oder die Modernisierung bestehender Messegelände in der Hoffnung, dass dieses Geld über höhere Steuereinnahmen schon wieder in die Steuerkassen zurückfließen werde. Rechnen sich diese Investitionen überhaupt? Wie hoch sind die Effekte dieser Umwegrentabilität, also die Effekte für andere Wirtschaftszweige wie das Transport- und Hotelgewerbe oder die Gastronomie, wirklich und welche Städte profitieren?

In einer Studie hat die Unternehmensberatung Roland Berger die Wirkung von Messen auf die Hotellerie in den zehn wichtigsten deutschen Messeplätzen jetzt gemessen. Das Ergebnis: Sie erzielen nicht nur eine enorme Umwegrentabilität für die jeweilige Region, sondern diese hat in den letzten Jahren sogar noch weiter zugenommen. So haben Messen in den zehn untersuchten Städten durchschnittlich pro Jahr knapp sieben Millionen Übernachtungen bewirkt.

Zwei weitere Aspekte sind wichtig: Erstens fällt die Messenachfrage meist in die touristischen Nebenzeiten und zweitens steigen die Zimmerpreise zu Messezeiten regelmäßig deutlich - ärgerlich für Messeveranstalter und Gäste, für die Hotellerie aber von enormer Bedeutung. Doch fielen die Preissteigerungen in den letzten Jahren immer moderater aus. Nicht zuletzt dürfte das auch die Ursache dafür sein, dass die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Fachbesucher nach vielen rückläufigen Jahren in den letzten Jahren konstant geblieben und in einzelnen Städten sogar leicht gestiegen ist. Das hat dazu geführt, dass der Beitrag der Messen zur Auslastung der Hotelkapazität in den Jahren 2005 bis 2008 von knapp über acht Prozent in den vier Jahren zuvor auf durchschnittlich fast zehn Prozent gestiegen ist. Betrachtet man nur die Messezeiten, werden sogar etwas mehr als die Hälfte aller Zimmer an Messeteilnehmer vermietet.

Welche Stadt profitiert am meisten von den Messen? Zwar können alle Städte Erfolge verbuchen. Doch die Messe Düsseldorf war im vergangenen Jahr mit mehr als 1,4 Millionen Übernachtungen im Durchschnitt der letzten acht Jahre Spitzenreiter. Fast jede dritte Übernachtung in der Stadt entfällt auf einen Messeteilnehmer. Damit leistet sie den höchsten Beitrag zur Auslastung der Hotelkapazität bei den untersuchten Städten. Düsseldorf ist damit eine der wenigen Städte, in denen die Messenachfrage stärker gestiegen ist als die Bettenkapazität. Spitze ist Düsseldorf auch in einem weiteren Punkt: Durchschnittlich entfallen 1,51 Übernachtungen auf jeden Quadratmeter vermieteter Ausstellungsfläche - das sind fast 40 Prozent mehr als der deutsche Durchschnitt von 1,08.

Mit rund 1,35 Millionen Übernachtungen erreicht die Deutsche Messe in Hannover ebenfalls ein Spitzenergebnis. Positiv ist hier vor allem, dass die Messen in Hannover wegen der begrenzten Hotelkapazität in der Stadt die mit Abstand größten Effekte auf das Umland haben: Rund 82 Prozent aller Übernachtungen entfallen auf die Region.

Wegen der vergleichsweise großen Bettenanzahl in der Stadt fällt der Umverteilungseffekt auf die Region durch die Messe München deutlich geringer aus. Von rund 870 000 messebedingten Übernachtungen entfallen knapp 709 000 auf die Stadt selbst - das ist die höchste absolute Übernachtungszahl innerhalb der Stadtgrenzen. Insgesamt verlieren Messen in München aber an Bedeutung. Denn die Bettenkapazität steigt stärker als die Messenachfrage. Ein vergleichbarer Trend ist in Berlin erkennbar.

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