Tourismus
Von Frieden keine Spur bei Tui

Lange Zeit war es still um den Tui-Großaktionär John Fredriksen. Doch fünf Wochen vor der Hauptversammlung bahnt sich eine neue Konfrontation an. Ein Friedensangebot der Tui lehnt der Norweger nach Informationen des Handelsblatts ab. Auf Tui-Chef Michael Frenzel kommt ein hitziges Aktionärstreffen zu.

HANNOVER. Der norwegische Großreeder John Fredriksen hat nach Informationen des Handelsblattes (Dienstagausgabe) ein Angebot ausgeschlagen, einen eigenen Vertreter in den Aufsichtsrat des Tourismuskonzerns Tui zu entsenden. "Richtig ist, dass der Nominierungsausschuss des Aufsichtsrates ein solches Angebot gemacht hat", sagte ein Tui-Sprecher dem Handelsblatt. "Wir sind überrascht, dass Herr Fredriksen dieses Angebot nicht wahrgenommen hat."

Fredriksen hatte 2008 vergeblich versucht, den Vorstand und Aufsichtsrat der Tui auf der Hauptversammlung abzuwählen. Der Norweger warf Tui-Chef Michael Frenzel massives Missmanagement vor und erhob auch schwere Anschuldigungen gegen den Tui-Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Krumnows. Fredriksen, der 15 Prozent an Tui hält, hat seit seinem Einstieg im August 2007 einen Buchverlust von 500 Mio. Euro mit seinen Tui-Aktien erlitten.

Tui sieht ihre Offerte nun als Friedensangebot an den Großaktionär. Fredriksen dagegen bezeichnet den Vorschlag als fadenscheinig. Tui habe ihm am 23. März ein Aufsichtsratsmandat angeboten. Die Bedingung sei jedoch gewesen, dass Fredriksen dies nicht selbst wahrnehme. Außerdem habe man ihm für die Benennung eines Vertreters nur drei Tage Zeit gelassen. "Das kann man wohl nicht als ernsthaftes Angebot bezeichnen", sagte ein Sprecher von Fredriksen dem Handelsblatt.

Tui bestreitet diese Darstellung - das Thema sei bereits Wochen vorher mit Fredriksen besprochen gewesen. Der Norweger habe jedoch von sich aus keinen Kandidaten genannt und so den Zeitdruck selbst provoziert, weil für eine Hauptversammlung gesetzliche Fristen einzuhalten seien.

Auf der Tui-Hauptversammlung am 13. Mai sollen nun der ehemalige McKinsey-Berater Peter Barrenstein und Mustapha Bakkoury vom marokkanischen Staatsfonds CDG in den Aufsichtsrat einziehen. Für sie wollen die bisherigen Aufsichtsräte Jean-Claude Baumgarten und Sepp D. Heckmann ihre Plätze räumen.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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