Tourismusbanche
Reise-Riesen auf Schrumpfkurs

Mit kräftigem Kapazitätsabbau haben sich Thomas Cook und Tui bisher durch die Krise gerettet, das schwierige Jahr 2009 wurde recht glimpflich überstanden. Nun balgen sich die Wettbewerber um die Anteile am schrumpfenden Markt. Im Zentrum stehen die Margen – und die Erkenntnis, dass auch das Reduzieren von Kapazitäten seine Grenzen hat.
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DÜSSELDORF. Die börsennotierten europäischen Reiseveranstalter Thomas Cook und Tui Travel sind auf ihrem in der Krise eingeschlagenen Schrumpfkurs glimpflich aus dem schwierigen Urlaubsjahr 2009 gekommen. Cook, Nummer zwei im Touristikgeschäft, ließ seinen Chef Manny Fontenla-Novoa am Montag am Börsenplatz London eine positive Geschäftsentwicklung feiern, die über den Markterwartungen gelegen habe. In der Branche und in Unternehmenskreisen gilt es als sicher, dass sein Pendant beim Marktführer Tui Travel, Peter Long, bei seiner heutigen Zahlenpräsentation ähnlich erfolgreiche Entwicklungen beschreiben wird.

Thomas Cook berichtete am Montag von einem Umsatzanstieg von knapp sechs Prozent auf 9,2 Mrd. Pfund (10 Mrd. Euro) und einem um 13 Prozent gestiegenen operativen Gewinn. Vor Steuern bleibt vom Anstieg allerdings nichts übrig. Da vermeldet der Reisekonzern ein schwaches Minus. Die Umsatzsteigerung ist weniger auf Nachfrage und Preise in der Touristik als vielmehr auf Zukäufe vorwiegend im britischen Hotel- und Veranstaltermarkt zurückzuführen.

Cook und auch Tui hatten frühzeitig zum Jahresbeginn mit einem kräftigen Kapazitätsabbau auf die rezessionsbedingte Reiseunlust ihrer Klientel reagiert: weniger vorgebuchte Hotelbetten, weniger Sitze in den Flugzeugen – damit sind sie erfolgreich über die Runden gekommen. Mit Kapazitätssenkungen will Fontenla-Novoa auch in der beginnenden Wintersaison und im Sommer 2010 der nach wie vor geringeren Nachfrage begegnen. In Deutschland, wo Cook unter dem eigenen Namen, aber vor allem mit den Marken Neckermann und Bucher Reisen antritt, hätten die durchschnittlichen Verkaufspreise um acht Prozent nachgegeben, bei gleichzeitig um zehn Prozent gesunkenen Buchungen. Damit seien die Margen stabil geblieben.

An auskömmlichen Margen ist auch die Tui interessiert. Tui-Deutschland-Chef Volker Böttcher hatte schon vor einem Jahr die Parole ausgegeben, dass für ihn in den schwierigen Zeiten „Marge vor Menge“ zähle. Doch in Hannover hat offenbar ein Umdenkungsprozess begonnen. Es wächst die Erkenntnis, dass man die Kapazität nicht immer weiter reduzieren kann. Denn da sich die Stückkosten nicht im gleichen Umfang senken ließen, könnte die Kapazitätssenkung kaum ohne Substanzverluste über acht bis neun Prozent hinausgehen.

Böttcher formulierte denn inzwischen auch markig den Richtungswechsel, als er auf Jamaika vor einigen Wochen seine Kataloge präsentierte: „Die Tui Deutschland schaltet jetzt wieder einen Gang nach oben“, erklärte er. Beifall bekam er von einem notorischen Tui-Kritiker, dem früheren Tui-Vorstand und heutigen Touristik-Professor Karl Born: „Tui bietet Schönheits-OPs auf Reisen an und hat erfreulicherweise damit bei sich selbst angefangen: mehr Kapazitäten versprochen, Preise gesenkt, mehr Extrawürste eingeführt und das Ganze auch noch emotionaler verpackt.“

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