Tourismusbranche
Tui hat kein Geld für Visionen

Die Krise hat die großen Pläne alle in die Schublade verbannt: Auf der Hauptversammlung wollte Tui-Chef Michael Frenzel eigentlich den Neustart des Konzerns verkünden, der sich nach dem Verkauf von Hapag-Lloyd nunmehr als reines Tourismusunternehmen neu in den Weltmärkten orientiert. Doch für große Visionen fehlt das Geld.

DÜSSELDORF HB. Der Verkauf von Hapag-Lloyd gelang in der beginnenden Rezession nur teilweise: Über die zunächst verbliebene 43-Prozent-Beteiligung hinaus muss Tui die Traditionsreederei noch für Jahre mit einer Milliarden-Kapitalspritze am Leben halten. Weder der angestrebte Rückkauf der Touristikaktivitäten, die in das Londoner Joint Venture Tui Travel mit den Aktionären des Reiseveranstalters First Choice eingebracht worden waren, steht deshalb zur Debatte - noch eine bereits angedeutete Sonderdividende. Denn Verkaufserlöse flossen bisher nur zum Teil.

Den Konzern erst einmal durch die Krise steuern und auf bessere Zeiten warten - so wird Frenzels Botschaft in der düsteren Eilenriede-Halle des Kongresszentrums von Hannover lauten. Mehr nicht, denn derzeit sind die Zeiten schlecht: So erwartet Analystin Martina Noss von der NordLB, dass die für heute angekündigten operativen Zahlen zum ersten Quartal alle deftig im Minus liegen. Wie alle Reiseveranstalter versucht Tui, mit einer kräftigen Reduzierung der Flug- und Hotel-Kapazitäten gegenzusteuern. Aber noch bangt die Branche, dass das alles entscheidende Sommer-Geschäft ein Reinfall wird.

Überschattet wird dieses Szenario auf dem Aktionärstreffen von einer Neuauflage des Duells zwischen Frenzel und dem norwegischen Reederei-Milliardär John Fredriksen, mit 16,8 Prozent größter Einzelaktionär von Europas größtem Reisekonzern. Mit fünf Anträgen zur Tagesordnung will Fredriksen letztlich das Standing von Frenzel unterminieren. Schon im vergangenen Jahr ließ der Norweger seinen stets so bezeichneten "Vertrauten" Olav Trøim den Aufstand gegen die Tui-Spitze proben - und verpasste mit seinen Anträgen nur knapp die Mehrheit.

2 800 Aktionäre oder 72 Prozent des stimmberechtigten Kapitals und damit gut 50 Prozent mehr als 2007 hatten damals den Schlagabtausch verfolgt. "Das Interesse steigt in diesem Jahr noch weiter", meint Thomas von Oehsen, Leiter der Corporate-Governance-Abteilung von Risk Metrics in Deutschland. Der Aktionärsdienstleister berät institutionelle Investoren bei Abstimmungen auf Hauptversammlungen und versorgt Fondsgesellschaften sowie Pensionskassen mit Firmenanalysen für ihre HV-Entscheidungen.

Risk Metrics empfiehlt wie schon im Vorjahr, den norwegischen Opponenten zu unterstützen, nachdem man sich mit beiden Seiten "intensiv und ausführlich" ausgetauscht habe. Doch ob Fredriksens erneuter Fünf-Punkte-Frontalangriff gegen Vorstand und Aufsichtsrat dieses Mal erfolgreich ist, vermögen auch langjährige Tui-Wegbegleiter in den Banken und bei den Aktionärsvertretern nicht wirklich einzuschätzen. Niemand weiß, wie viele Teile des Aktienkapitals auf der Seite des kämpferischen Großaktionärs stehen.

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