Tourismusbranche
Tui Travel steckt in roten Zahlen fest

Das Geschäftsjahr von Tui Travel ist vorbei, und die Bilanz sieht durchwachsen aus. Zwar wähnt sich das Reiseunternehmen auf gutem Kurs, dennoch bleiben am Ende rote Zahlen.
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LONDON. Die Reiselust kehrt langsam zurück – vor allem bei Franzosen, Belgiern und Skandinaviern. Im Vergleich zum Vorjahr seien die Buchungen in diesen Ländern in den vergangenen Wochen deutlich angesprungen, sagte Peter Long, Chef von Europas größtem Reisekonzern Tui Travel, bei der Vorlage der Jahreszahlen. Und auch aus anderen Ländern gebe es ermutigende Signale.

Die Krise flaut offensichtlich ab, die Nachfrage zieht wieder an. Long verbreitete daher Optimismus für das laufende Geschäftsjahr: „Viele sagen sich, wenn ich dieses Jahr schon nicht in den Urlaub gefahren bin, werde ich auf jeden Fall im nächsten Jahr tun“, sagte der Konzernchef. Das Wirtschaftsklima werde 2010 nicht gar so rau und schwierig wie noch im Sommer dieses Jahres.

Der Vorstandsvorsitzende von Tui Travel ist damit zuversichtlicher als Manny Fontenla-Novoa, Chef des Konkurrenten Thomas Cook. Der Markt sei sehr schwierig, und das werde sich nicht so bald ändern, sagte er Anfang dieser Woche.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr, das im September endete, haben beide Reisekonzerne ihre Kapazitäten deutlich zurückgefahren und sind glimpflich durch die Wirtschafts- und Finanzkrise gekommen. Tui Travel verdiente im laufenden Geschäft 37 Mio. Pfund (41 Mio. Euro), nach einem Verlust von 184 Mio. Pfund im Vorjahr. Unterm Strich schreibt der Konzern weiter rote Zahlen, das Minus schrumpfte aber deutlich – von 271 auf 25 Mio. Pfund. Der Umsatz bliebt mit knapp 13,9 Mrd. Pfund (15,3 Mrd. Euro) stabil.

Tui Travel ist vor gut zwei Jahren aus der Fusion des britischen Anbieters First Choice mit der Reisesparte des Tui-Konzerns entstanden. Tui ist mit 51 Prozent an Tui Travel beteiligt. Das Hannoveraner Unternehmen profitiert von der Dividende der britischen Tochter, die um zehn Prozent auf 10,7 Pence steigen soll.

Tui-Travel-Chef Long hat sich vor allem eines vorgenommen: Er will die Rendite des Unternehmens erhöhen. Man habe mittlerweile Fortschritte gemacht. „Tui Travel kommt in der Hälfte seines Geschäfts auf eine akzeptable Marge von über drei Prozent, fast doppelt so viel wie 2007“, sagte Long.

Analysten lobten die Entwicklung: Die Integration verlaufe zufriedenstellend, heißt es in einer Studie der Berenberg Bank. Und trotz eines schwierigen Marktumfeldes habe der Konzern gute Ergebnisse erzielt.

Branchenexperten erwarten, dass Tui Travel bereits im laufenden Geschäftsjahr einen Nettogewinn von etwa 280 Mio. Pfund erwirtschaftet. Peter Long wollte sich darauf nicht festlegen. Er kündigte lediglich an: „Die Kosten für den Konzernumbau werden 2010 und 2011 deutlich sinken, dadurch wird sich die Ertragskraft verbessern.“

In der kommenden Sommersaison will Tui Travel seine Kapazitäten in den meisten Ländern unverändert lassen – „angesichts der positiven Signale der Kunden“, sagte Long. So hat das Unternehmen etwa in Großbritannien bereits ein Fünftel seiner Kapazitäten für den Sommer 2010 verkauft. Der Konkurrent Thomas Cook erwägt dagegen, sein Reiseangebot um bis zu fünf Prozent zu verknappen.

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