Tourismusmesse ITB: Besuch in den gefährlichsten Ländern der Welt

Tourismusmesse ITB
Besuch in den gefährlichsten Ländern der Welt

Libyen, Sudan, Kongo: Auf der Reisemesse ITB präsentieren sich auch solche Länder, die man laut Behörden dringend meiden sollte. Die Aussteller werben trotzdem unverzagt um Touristen. Wie machen sie das?
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BerlinNein, sagt Herr Abouzed und wischt mit der Hand durch die Luft. Die Menschen sollten keine Angst haben. Im September, wenn die neue Saison startet, „da wird alles wieder vorbei sein“. Und bis dahin fahre ja eh kaum jemand nach Libyen. Die Hitze, Sie wissen schon.

Zakaria Abouzed, untersetzt, dunkle Haare, beigefarbenes Hemd, hätte sich vor vier Wochen wohl nicht träumen lassen, einmal solche Sätze zu sagen. Auf eine Revolution angesprochen zu werden, die sich in seiner Heimat Bahn bricht.

Der Mittvierziger ist Sprecher der libyschen Tourismusbehörde, und er wirkt etwas verloren auf dem weitläufigen und mit Postern antiker Stätten ausgehängten Stand auf der Berliner Tourismusmesse ITB. Die meisten Stühle sind frei, leere Flaschen stehen herum, eine Gruppe Anzugträger sitzt auf dem Sofa. Sie schweigen, jeder guckt in eine andere Richtung.

„Ja, es soll ein paar Stornierungen gegeben haben“, gibt Abouzed zu. „Aber es gibt keinen Grund, sich vor einer Libyen-Reise zu fürchten“. Der Regierungsmann hat keinen einfachen Job: Er muss in Berlin gut Wetter machen, während zeitgleich Diktator Muammar al-Gaddafi sein eigenes Volk bombardieren lässt.

Abouzed ist nicht der einzige auf der ITB in schwieriger Mission. Ob Sudan, Simbabwe, Kongo oder Kaukasus – gleich mehrere der laut US-Magazin „Forbes“ 15 gefährlichsten Länder der Welt sind auf der Messe versammelt. Staaten, die einen Stammplatz in der Rubrik „Reisewarnungen“ beim Auswärtigen Amt haben.

Am Stand des Jemen sitzen Frauen in traditionellen Gewändern, lächeln und zeigen Töpferkunst und Henna-Malerei. Das Auswärtige Amt schreibt auf seiner Webseite kühl: „Erhebliche Risiken durch terroristische Anschläge, Entführungen und Stammeskonflikte“. Deutschen wird empfohlen, das Land zu verlassen.

Zehn Meter entfernt vom Jemen quetschen sich fünf Menschen in eine Art grünen Würfel. Hier wirbt mit Palmenpostern die Demokratische Republik Kongo. Die deutschen Diplomaten schreiben: „In allen Regionen des Landes kann es zu nicht vorhersehbaren, gewalttätigen Unruhen bzw. spontanen gewaltsamen Auseinandersetzungen kommen“. Und am Stand des erdbebengeplagten Haiti (Auswärtiges Amt: „Mögliche weitere Unruhen“) sagt eine freundliche Frau, man müsse sich „das Land eben ansehen und sich selbst ein Bild machen“.

Reisewarnungen sind das seltenste und stärkste Mittel der deutschen Behörden, Urlauber davon abzuhalten, in ein gefährliches Land zu reisen. „Sie werden nur dann ausgesprochen, wenn aufgrund einer akuten Gefahr für Leib und Leben gewarnt werden muss“, heißt es beim Auswärtigen Amt. Für die betroffenen Länder ist das eine Katastrophe, sie sind auf den Tourismus angewiesen. Und für die Aussteller auf der ITB eine Herausforderung, die Sorgen zu zerstreuen.

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