Tourismuswunder
Aufbau Nord-Nordost

Mecklenburg-Vorpommern hat seine Subventionen klug angelegt. Es hat Investoren angelockt, die Ferienwohnungen, Hotels und nun auch ganze Urlaubsdörfer bauen. Als Tourismusstandort hat das Ost-Land mittlerweile sogar Bayern abgehängt.

BOLTENHAGEN. Einst war hier militärisches Sperrgebiet. Hinter mannshohen Zäunen operierte bis 1945 die Luftwaffe. Dann stationierte die DDR-Marine zehn Schnellboote an der Bucht der Halbinsel Tarnewitz. Mission: Republikflüchtige jagen.

Nun entsteht hier in Boltenhagen auf der „Weißen Wiek“ an der Ostseeküste eine ganze Ferienstadt – als weiterer Beweise dafür, dass dem strukturschwachen Mecklenburg-Vorpommern gelungen ist, die Subventionsmilliarden aus Berlin und Brüssel klug anzulegen, und zwar im Tourismus. Das Bundesland ist auf dem besten Weg, zum Modell zu werden: Aufbau Nord-Nordost. Und Konzerne wie die Tui machen gerne mit.

Vor wenigen Tagen bestimmten noch Bagger und Bulldozer das Bild in Boltenhagen. Mutterboden planieren, Rollrasen verlegen, Wege pflastern. Endspurt für die „Weiße Wiek Boltenhagen“, die die Urlaubskapazität am Strand auf einen Schlag um tausend Betten erweitert. „Ab diesem Frühjahr spielt Boltenhagen in einer anderen Liga“, freut sich Olaf Claus, der parteilose Bürgermeister des Seebades auf halber Strecke zwischen Lübeck und Wismar.

Und Claus meint den Aufstieg – nach 205 Jahren: 1803 machte es ein Graf von Bothmer dem Nachbarn Heiligendamm nach und ließ von Pferden gezogene Badekarren ins Wasser wackeln. In deren Schutz konnten sich dann Damen sittsam den kühlen Fluten nähern. Seither ist Boltenhagen Seebad.

Nun wird es Feriendorf: Gut 20 dreigeschossige Häuser bieten als „Dorfhotel“ 200 unterschiedlich große Appartements für Familien, alle mit Kamin und Seeblick. Daneben, direkt an der neuen Marina mit 290 Liegeplätzen für Segler und Yachten, steht das Vier-Sterne-„Iberotel“ mit 190 Zimmern. Drum herum mal einfache, mal edlere Gastronomie sowie Schwimmbäder, Wellness, Sport- und Freizeiteinrichtungen.

Gleich mit gebaut wurde ein kleiner Fischereihafen für das Dutzend Boltenhagener Ostseefischer. Thorsten Guse, als Hoteldirektor der Hausherr auf der Weißen Wiek, sieht auch das als Attraktion: „Hier ist auch im Winter was los.“

In Griechenland oder Ägypten bewährt sich das Feriendorf-Modell bereits. In der Toskana will die Tui gar ein komplettes altes Dorf restaurieren lassen. Auch in Mecklenburg-Vorpommern betreibt die Tui in Fleesensee, unweit des Binnensees Müritz, bereits eine ähnlich große Anlage.

Der Vorteil für Reisekonzerne: Strukturschwache Gegenden helfen gern mit Subventionen. So finden sich dann auch Bauherren, die das Risiko tragen. Konzerne wie die Tui fungieren nur als Betreiber der kleinen Urlaubsparadiese.

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