Touristik-Aufschwung in Gefahr
Teenager in türkischer Haft bremst Reiselust

„Kein Traum kann schöner sein“, heißt der Werbeslogan der Türkei in Deutschland. Für einen 17 Jahre alten Schüler aus dem niedersächsischen Uelzen wurde der Osterurlaub mit seinen Eltern zum Albtraum. Er sitzt im Ferienort Antalya nach einem Flirt mit einem britischen Mädchen in Untersuchungshaft. Für das Reiseland kommt das Debakel zur falschen Zeit.

HB FRANKFURT. Der Fall sorgt nicht nur für Turbulenzen in den Medien und diplomatische Bemühungen auf höchster Ebene, sondern trübt auch den aktuellen Aufschwung für die türkische Touristik. In Internet-Foren ereifern sich Urlauber über den Fall und die Haftbedingungen für den Jugendlichen und drohen, vorerst nicht mehr an die türkische Riveira zu reisen.

Der Deutsche Reiseverband (DRV) sieht allerdings keinen Grund für Urlauber, auf Ferien in der Türkei zu verzichten. Der größte deutsche Veranstalter TUI rechnet vorerst nicht mit Einbußen. „Natürlich können Urlauber ohne Bedenken weiterhin buchen. Was dem Jungen zur Last gelegt wird, wäre auch bei uns strafbar“, sagte DRV-Präsident Klaus Laepple am Dienstag zu Reuters. Dem 17-Jährigen wird vorgeworfen, er habe die erst 13-jährige Britin sexuell missbraucht. Dafür droht ihm eine mehrjährige Haftstrafe.

Der DRV-Präsident kritisierte allerdings das Verhalten der deutschen und der britischen Vertretung in der Türkei. „Wir haben kein Verständnis dafür, dass sich die beiden Konsulate nicht sofort um den Fall gekümmert haben“, sagte Laepple. Alle Beteiligten, vor allem auch die Eltern, hätten sofort zusammengebracht werden müssen. Inzwischen hat sich Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier eingeschaltet und bemüht sich um eine baldige Freilassung des 17-Jährigen.

Der Fall trifft den Türkei-Tourismus inmitten einer aufwändigen Imagekampagne. Das Land zählt zu den fünf wichtigsten Reisezielen der Deutschen. Doch im vorigen Jahr sind die Besucherzahlen empfindlich zurückgegangen. Die Gründe: Gestiegene Preisen, Angst vor Vogelgrippe und Anschlägen und der Streit um Mohammed-Karikaturen in einer dänischen Zeitung. Aus Deutschland reisten laut DRV zwar immer noch drei Mill. Urlauber in die Türkei, allerdings gut 20 Prozent weniger als 2005. Die Gesamtzahl der ausländischen Türkei-Urlauber ging um 1,4 Mill. auf unter 19 Mill. zurück.

In diesem Jahr zählt die Türkei bislang zu den Gewinnern. Deutschlands Marktführer TUI bleibt weiterhin optimistisch. „Wir sehen das im Moment sehr gelassen. Der Fall des 17-jährigen ist zu allererst ein Medienthema“, sagte ein TUI-Sprecher. Urlauber wüssten, dass in der Türkei andere Gesetze gelten als in der EU. So werden Drogendelikte und das Mitnehmen von alten Münzen oder am Strand gesammelten Fossilien härter bestraft. „Wenn man die Regeln respektiert, steht einem erholsamen Türkei-Urlaub nichts im Wege“, sagte der TUI-Sprecher.

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