Touristik
Skepsis in der Kreuzfahrtbranche

Die Kreuzfahrtlinie Aida ist auf gutem Kurs: Trotz Krise steigt die Zahl der Buchungen. Insgesamt ist die Branche optimistisch: Erstmals sollen mehr als eine Millionen Passagiere in einem Jahr Urlaub auf hoher See machen. Weil der Markt sich so gut entwickelt, wollen nun auch amerikanische Anbieter in Europa vor Anker gehen.

DÜSSELDORF. Der knallrote Kussmund ist 16 Meter breit, und er leuchtet unter 150 Quadratmeter großen blauen Augen. Er ist das Markenzeichen eines Touristikprodukts, das keine Krise zu kennen scheint: die Aida-Clubschiffe. Gerade ist das sechste Schiff nach pompöser Taufe in Palma de Mallorca in den Kreuzfahrtdienst gestartet, das siebte Schiff soll schon im nächsten Februar folgen. Obwohl jeder dieser schicken Dampfer die Kapazität um gut und gerne 2 000 Betten erhöht, klagt niemand in diesem Geschäft über Überkapazitäten.

"Die Nachfrage ist stabil, wir haben ein überdurchschnittliches Wachstum", berichtet Aida-Marketingchef Hansjörg Kunze. "Es wird weiter gehen mit der Erfolgsgeschichte der Kreuzfahrt." Mit der Einschätzung bewegt sich Kunze in sicherem Fahrwasser, die jährlich aktualisierte Studie des Deutschen Reise-Verbandes über den Kreuzfahrtenmarkt in Deutschland bestätigt den Optimismus mit Zahlen: Im vergangenen Jahr habe es fast 19 Prozent mehr Passagiere auf Hochseekreuzfahrten und knapp 15 Prozent auf Flusskreuzfahrten gegeben.

Mehr noch: Knapp die Hälfte der befragten Anbieter von Hochseekreuzfahrten erwarten, dass die Zahl der Passagiere, die 2008 noch bei gut 900 000 lag, im Krisenjahr 2009 erstmals die Millionengrenze überschreiten wird. Auch bei den Flusskreuzfahrten wird ein ungebrochener Aufwärtstrend erwartet - und die ersten Monate des Jahres bestätigen das. "Wir wachsen bei den Buchungen weiter gegenüber dem Vorjahr, wir sind zufrieden", sagt etwa Johannes Zurnieden, Chef des Flusskreuzfahrten-Veranstalters Phoenix-Reisen.

Der gut laufende europäische Markt lockt Newcomer ebenso wie Flotten, die sonst auf anderen Meeren kreuzen. So gehen in den nächsten Monaten die Luxusschiffe des US-Unternehmens Silversea Cruises in südeuropäischen Häfen vor Anker. Sie sind allerdings keine Konkurrenz zu den Massen-Dampfern der Aida-Flotte, denn auf den größten Schiffen werden maximal knapp 400 Gäste betreut. Und nachdem die Bordsprache bislang nur Englisch ist, stellt man sich auf Europa ein: Auf jedem der vier Schiffe sollen laut Ankündigung der Reederei künftig Hostessen an Bord sein, die Deutsch, Französisch, Italienisch und Spanisch sprechen.

Was nach Einschätzung von Reisebürofachleuten den europäischen Markt erheblich stören könnte, ist der Zusammenbruch des Kreuzfahrtengeschäfts vor den Küsten der Vereinigten Staaten. Dort haben die Reedereien Carnival und Royal Caribbean das Geschäft nahezu ausschließlich mit US-amerikanischer Klientel auf Massenschiffen beherrscht. Nachdem diese Kundschaft weithin ausbleibt, bewerben die Anbieter künftig auch den europäischen Markt.

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