Touristik
Thomas Cook will sparen statt expandieren

Europas zweitgrößter Touristikkonzern Thomas Cook plant vorerst keine weitere Akquistionen, sondern will sich auf die Integration des jüngst übernommenen Wettbewerbers My Travel konzentrieren. Das angepeilte Sparziel soll dabei noch übertroffen werden.

OBERURSEL. Selbst die geplante Fusion der Konkurrenten Tui und First Choice reizt Vorstandschef Manny Fontenla-Novoa nicht explizit: „Es macht keinen Unterschied, ob wir in Europa die Nummer eins oder zwei sind. Viel wichtiger ist, was am Ende unterm Strich bleibt.“ Der Brite zeigte sich optimistisch, das durch die My-Travel-Integration angepeilte Sparziel von 140 Mill. Euro noch zu übertreffen. Man sei schon jetzt bei der Integration weiter als geplant, sagte er dem Handelsblatt.

Die Vorgaben der Konzernmutter Arcandor (früher: Karstadt-Quelle) sind ambitioniert. Im Geschäftsjahr 2008/2009 soll sich die Konzernrendite –gemessen am Ertrag vor Zinsen und Steuern (Ebit) – auf über sechs Prozent verdoppeln. Ein Ziel, das Analysten wie Martina Noss von der NordLB für fraglich halten. Die Geschäftszahlen für das erste Halbjahr lagen kaum über denen des Vorjahres. Doch Fontenla-Novoa gibt sich für das laufende Jahr noch nicht geschlagen. Thomas Cook werde im Geschäftsjahr 2006/2007 ein Betriebsergebnis (Ebit) im Rahmen der Erwartungen der Analysten von 340 Mill. Euro schaffen – und damit gut ein Viertel mehr, als Thomas Cook und MyTravel im Vorjahr.

Den Kauf des britischen Konkurrenten hatte die Essener Konzernmutter erst im Februar eingefädelt. Seit Mitte Juni ist die Übernahme perfekt. Die zur Arcandor AG umfirmierte Karstadt-Quelle AG brachte dazu die eigene Tochter Thomas Cook AG an die Börse und fand die My-Travel-Anteilseigner mit 48 Prozent der Aktien ab. Arcandor hält seither 52 Prozent an der Thomas Cook plc., stellt mit Thomas Middelhoff den Aufsichtsratschef und konsolidiert den Konzern komplett.

Dem Umzug der Konzernzentrale von Oberursel nahe Frankfurt nach London werden voraussichtlich weniger Mitarbeiter den Job kosten als bisher erwartet. „Betroffen ist eine mittlere zweistellige Zahl von Mitarbeitern“, sagte Fontenla-Novoa. Zuletzt hatten Analysten mit einer deutlich höheren Zahl gerechnet, schließlich beschäftigt Thomas Cook in Oberursel 1 800 Mitarbeiter.

Die in der vergangenen Woche angekündigte Entlassungswelle, die einen Jobabbau von bis zu 2 800 Stellen vorsieht, findet damit fast ausschließlich in Großbritannien statt. Nur dort gibt es laut Fontenla-Novoa Überschneidungen zwischen Thomas Cook und dem übernommenen Wettbewerber My Travel.

Erst kurz vor dem Jahreswechsel war der Reisekonzern Thomas Cook durch den Ausstieg des 50-Prozent-Gesellschafters Lufthansa vollständig unter das Dach der damaligen Karstadt-Quelle AG gekommen. Der Essener Konzern zahlte dafür 800 Mill. Euro, musste im Gegenzug aber 75 Prozent am Ferienflieger Condor übernehmen und einer Sperrklausel zustimmen, die dessen Weiterverkauf bis Februar 2009 erschwert.

Dass Thomas Cook schon jetzt nach einem Käufer für das kapitalintensive Fluggeschäft sucht, wies Fontenla-Novoa zurück: „Wir glauben absolut an das bestehende Geschäftsmodell.“ Bislang gingen Beobachter davon aus, dass sich Mehrheitseigner Arcandor in spätestens drei Jahren von dem Fluggeschäft trennen wird. Als heißer Interessent gilt Air Berlin. Die deutsche Nummer zwei könnte damit ihr Langstreckengeschäft ausbauen. Laut Fontenla-Novoa gibt es aber keine Gespräche.

Auch von den rund 25 Hotels, die My Travel mit in die Firmenehe eingebracht hat, will sich Thomas Cook nicht trennen – obwohl man sich einst in Oberursel für den Verzicht auf eigene Bettenburgen ausgesprochen hatte. „Wir stellen uns jedoch die Frage“, sagte der Brite, „ob wir in allen Fällen die richtigen Hotels besitzen.“

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