Touristik- und Handelskonzern
Arcandor-Chef Eick stellt Struktur infrage

„Dogmatisch“ sei seine Position nicht. Das hat Karl-Gerhard Eick bei seinem ersten Auftritt als neuer Arcandor-Chef gesagt. Und zwar als es auf der Hauptversammlung des Konzerns um die Struktur des Konzerns ging. Überhaupt will Eick vieles anders machen als sein Vorgänger Middelhoff.

HB DÜSSELDORF. Angesichts der anhaltenden Krise des Essener Handels- und Tourismuskonzerns Arcandor hat der neue Konzernchef Karl-Gerhard Eick großen Zukunftsvisionen abgeschworen und die Beschäftigten auf harte Arbeit eingestimmt. „Wir werden die Ärmel hochkrempeln und uns an die Arbeit machen“, kündigte der ehemalige Telekom-Finanzchef am Mittwoch bei seinem ersten öffentlichen Auftritt vor der Hauptversammlung in Düsseldorf an. „Es ist nicht die Zeit der großen Strategien und Visionen. Jetzt ist die Zeit der Konsolidierung. Und das heißt Kärrnerarbeit.“

Knapp drei Wochen nach der Übernahme der Konzernführung von seinem Vorgänger Thomas Middelhoff räumte Eick eine „schwierige Gesamtverfassung“ des Konzerns ein. Nachdem sein Vorgänger im vergangenen Monat seine Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr 2008/2009 (30.9.) zurückgezogen hatte, legte auch Eick zunächst keine eigene Prognose vor.

Priorität habe derzeit die mittelfristige Stabilisierung der Finanzierung des Konzerns und die nachhaltige Sicherstellung der Liquidität. „Dem werden wir alles andere unterordnen“, sagte Eick. Bereits im Juni stehe die nächste große Finanzierungsrunde bevor. Dabei gehe es um die Fälligkeit von Verbindlichkeiten in Höhe von 650 Mio. Euro. Die anstehenden Verhandlungen mit den Banken zu einem Erfolg zu führen bezeichnete Eick als eine „große Herausforderung“. Im vergangenen Jahr hatten Gespräche mit den Banken über eine Refinanzierung des Konzerns das Unternehmen in eine existenzbedrohende Krise gestürzt.

Einer Zerschlagung des Konzerns mit den drei Geschäftsbereichen Tourismus (Thomas Cook), Versandhandel (Primondo) und Warenhäuser (Karstadt) erteilte der Konzernchef derzeit eine Absage. „Eine Aufspaltung des Konzerns, die jetzt von manchen wieder gefordert wird, ist nicht meine Priorität“, sagte Eick. Sollte es jedoch Sinn machen, die Geschäftsstruktur zu verändern, werde man dies auch machen.

Das zurückliegende Geschäftsjahr 2007/08 (30.9.) hatte der Konzern bei einem Umsatz von 19,4 Mrd. Euro mit einem Verlust von 746 Mio. Euro bei einem Schuldenberg von fast einer Milliarde Euro abgeschlossen. Auch im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres blieb der Konzern mit einem Verlust von 58 Mio. Euro weiter in den roten Zahlen.

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