Touristik- und Handelskonzern
Arcandor klopft in Berlin wegen Staatshilfe an

Der seit Jahren angeschlagene Touristik- und Handelskonzern Arcandor will nun möglicherweise staatliche Fördertöpfe anzapfen. Konzernchef Karl-Gerhard Eick führe Gespräche in Berlin, um sich wie andere Unternehmen „über alle Optionen staatlicher Förderprogramme zu informieren“, sagte ein Arcandor-Sprecher.

HB DÜSSELDORF. Entscheidungen gebe es aber noch nicht. Die Gespräche Eicks befänden sich auch noch nicht in einem Stadium, in dem über konkrete Summen geredet werde. Der Konzern kämpft bereits seit langem mit Problemen seiner Warenhaustochter Karstadt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr schrieb Arcandor einen Verlust von 746 Mio. Euro.

Die „Financial Times Deutschland“ berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, Eick habe mit hochrangigen Mitgliedern der Bundesregierung über Staatsgarantien im oberen dreistelligen Millionenbereich diskutiert. Dies würde bei Arcandor die Risiken für die kreditgebenden Banken verringern. Ein formaler Antrag sei aber von Arcandor noch nicht gestellt worden. „Wir führen Gespräche mit Firmen verschiedenster Branchen“, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums lediglich. „Zu Einzelfällen nehmen wir keine Stellung.“

Die Wirtschaftskrise hat die Probleme von Arcandor verschärft. Der gesamte Einzelhandel hat nach Zahlen des Statistischen Bundesamts im Februar 5,3 Prozent weniger eingenommen als noch im Jahr zuvor. Der Handelsverband HDE erwartet für 2009 in Deutschland bestenfalls stagnierende Umsätze.

Der Handelskonzern Douglas winkte bei der Frage nach öffentlichen Geldern hingegen ab. „Für uns sind Staatshilfen kein Thema“, sagte ein Sprecher. „Kein Kommentar“, hieß es beim Handelsriesen Metro auf die Frage, ob es Gespräche über staatliche Hilfen gebe.

Eick, ehemaliger Finanzchef der Telekom, übernahm den Arcandor-Chefposten im März von Thomas Middelhoff. Der neue Chef hatte erklärt, die operative Entwicklung des Konzerns müsse deutlich besser werden. Aussagen Eicks zur Lage des Unternehmens hatten die Arcandor-Aktien am Mittwoch auf Talfahrt geschickt. „Ohne die Unterstützung der Finanzwelt, der Banken, wird dieses Unternehmen nicht bestehen können“, hatte Eick einer Mitarbeiterzeitschrift gesagt.

Am Donnerstag notierte die Aktie am Vormittag mit einem Minus von 0,61 Prozent bei 1,63 Euro. Die nächste große Finanzierungsrunde bei Arcandor steht im Juni an.

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