Touristikbranche
Flug ins Ungewisse

Die Touristikbranche steckt im Umbruch: Das Geschäftsmodell der Pauschalreise hat sich überlebt, viele Urlauber buchen lieber individuell über das Internet und fliegen mit den Billig-Airlines. Die Nervosität in den Chefetagen der Konzerne steigt.

DÜSSELDORF. Lange war es der Kampf der Giganten, nun ist eher Götterdämmerung angesagt: Kraftstrotzend formierten sich Ende der 90er-Jahre die beiden Tourismusriesen Tui und C & N, die heutige Thomas Cook, und leisteten sich in ihrem internationalen Expansionsdrang milliardenschwere Bieterkämpfe, koste es, was es wolle.

Kraftlos wirken hingegen heute die Hauptakteure: Thomas Holtrop, erst vor knapp einem Jahr an die Spitze von Cook berufen, muss gehen. Am gestrigen Dienstag Abend wurde Vorstandskollege Manny Fontenla-Novoa zu Holtrops Nachfolger ernannt. Und Tui-Vorstandschef Michael Frenzel muss seinem Aufsichtsrat morgen eine Sparstrategie vorlegen, weit entfernt von weltumspannenden Visionen. Ob er noch sicher im Sattel sitzt, darüber wird in der Branche reichlich spekuliert.

Nach den Terroranschlägen des 11. September und der langen Konsumflaute laufen die Geschäfte nicht mehr richtig rund. Die beiden Reiseriesen, in Europa Nummer 1 und Nummer 2, quälen sich mehr schlecht als recht durch ihre schwierig gewordenen Märkte. Erfolge im einen Land werden durch Misserfolge anderswo aufgefressen.

Dabei schien zum Jahresbeginn die touristische Welt nach langer Durststrecke wieder in Ordnung. Mit Optimismus blickte der gesamte Wirtschaftszweig in die Zukunft. Auf der Tui-Hauptversammlung im Mai hatte Frenzel versichert, 2006 werde es gelingen, „die steigende Ertragskraft des touristischen Geschäfts nachzuweisen.“ Und er hatte die Prognose bekräftigt, bis 2008 das operative Ergebnis in der Touristik auf 700 Mill. Euro zu verdoppeln.

Nun rechnet die gesamte Branche ebenso wie Investoren und Analysten damit, dass Frenzel am Freitag nach seiner Aufsichtsratsitzung diese Prognose nach unten revidieren oder sie verschieben muss.

Denn beide Branchengrößen stehen vor einer ungewissen Zukunft. Die Abkehr von der Pauschalreise, der Vormarsch der Billigflieger, verändertes Reise- und Urlaubsverhalten selbst bei der klassischen Klientel und nicht zuletzt die Konkurrenz des Internets knabbern gerade bei den großen und damit auch schwerfälligeren Anbietern touristischer Dienstleistungen an der Geschäftsgrundlage.

Mit Hochdruck versuchen beide, ihr Manko auszugleichen. Baustein-Tourismus ist dabei ein Stichwort: Die individuell zusammengestellte Reise als Alternative zum Pauschalurlaub gewinnt an Bedeutung. Doch dieses Produkt erfordert veränderte Geschäftsmodelle. Internetpräsenz ist ein weiteres Stichwort. Doch gerade die beiden großen Anbieter haben diese Vertriebsform erst spät entdeckt.

Seite 1:

Flug ins Ungewisse

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%