Touristikbuchbranche erwartet langsame Aufwärtsentwicklung
Dumont Reiseverlag bringt Mair keinen Umsatzschub

Die größte deutsche Reiseverlagsgruppe Mair-Dumont (Marco Polo, Baedeker, Falk) erzielt mit der Übernahme der Reisebuchtochter der Kölner Zeitungsgruppe Dumont Schauberg („Kölner Stadt-Anzeiger“, „Express“) nicht den erhofften Umsatzschub. Einer Erhebung des Marktforschungsunternehmens Media Control zufolge sank der Buchhandelsumsatz des Dumont Reiseverlags in den ersten drei Quartalen um 16 Prozent auf nur noch 14,8 Mill. Euro.

HB DÜSSELDORF/FRANKFURT. Nach Einschätzung von Branchenbeoachtern sind dafür vor allem Vertriebsprobleme verantwortlich. Der vertriebliche Wechsel zu Mair habe dem bisher guten Image aller Dumont-Buchreihen geschadet. Mair-Dumont wollte gestern die Zahlen von Media Control nicht kommentieren. Verlegerin und Gesellschafterin Stephanie Mair-Huydts sagte nur: „Wir erwarten sowohl für Dumont-Reiseverlage als auch für die gesamte Gruppen einen stabilen Umsatz.“

Fusionsprobleme sieht die in Ostfildern bei Stuttgart ansässige Mair-Gruppe nicht. „Die Integration von Dumont ist abgeschlossen. Nun geht es um den Aufbau der Marken“, sagte Mair-Huydts dem Handelsblatt.

Vor genau einem Jahr erwarb Mair den Reisebuchverlag von Dumont Schauberg. Im Gegenzug beteiligte sich der Zeitungskonzern mit zehn Prozent an Mair. Über die Barkomponente des Deals wurde Stillschweigen vereinbart. Mit der Verschmelzung vergrößerte der Buch- und Kartenverlag Mair den Abstand zum Verfolger ADAC-Verlag. „Dumont ist ein Türöffner. Wir sind dadurch in eine andere Liga aufgestiegen“, ist sich Mair-Huydts sicher.

Im Gegensatz zum schwierigen Geschäft mit den Dumont-Buchreihen geht es anderen Verlagen der Mair-Gruppe relativ gut. Vor allem der teure und aufwendige Relaunch von Baedeker hat sich gelohnt. Die roten Traditionsführer haben ihren Marktanteil gegenüber dem Vorjahr ausgebaut. Der Umsatz stieg laut Media Control um mehr als drei Prozent in den ersten neun Monaten. Verlegerin Mair-Huydts ist weitaus optimistischer: „Wir liegen 40 bis 50 Prozent über Vorjahr“. Media Control berücksichtigt nur den Buchhandel, aber nicht Verkäufe an Werbekunden und an Tankstellen.

Im vergangenen Jahr hat Mair 135 Mill. Euro umgesetzt. Davon entfallen nach Unternehmensangaben rund zehn Prozent auf den Dumont Reiseverlag. Zur Rendite macht das Familienunternehmen traditionell keine Angaben. Mair-Huydts sagte nur: „Im vergangenen Jahr hatten wir ein ausgeglichenes Ergebnis.“

Der 1948 gegründeten Mair-Gruppe bläst, ähnlich wie den Konkurrenten Polyglott Langenscheidt (Polyglott) oder der Verlagsgruppe Ganske (Merian), der Wind ins Gesicht. Der Einbruch in der Touristik durch die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA und die anhaltend schwache Binnenkonjunktur hatten der ehemaligen Wachstumsbranche in den vergangenen Jahren geschadet. Die Konsolidierung im Buchhandel durch Thalia, Buchsparte des Handelskonzerns Douglas, setzt die Verlage zusätzlich unter Margendruck.

Doch nun erwartet die Branche eine Aufwärtsentwicklung. „Der Reisebuchmarkt erholt sich wieder“, sagt Rolf Müller, Verlagsleiter der Verlagsgruppe Langenscheidt. „Der Markt ist nach wie vor schwierig, aber es gibt eine Aufwärtstendenz.“ Die Geiz-ist-geil-Mentalität habe sich totgelaufen, sagt Mair-Huydts. Auch ein Vertriebsmanager eines Konkurrenzverlages sagt: „Mit dem Verkauf der klassischen Reisebücher geht es aufwärts. Der 11. September ist vergessen.“

Schnelles Wachstum ist in Deutschland aber nicht in Sicht. Deshalb suchen die große Reiseverlage ihr Heil im Ausland. „Wir versuchen vor allem international zu wachsen“, sagt Langenscheidt-Chef Müller. Die Münchener haben bereits vor Jahren ihr Touristik-Geschäft internationalisiert. Bei Karten ist Langenscheidt in den USA und in Frankreich die Nummer zwei. Doch dieses Geschäft wird schwieriger. Viele Buchhändler haben sich vom Landkartenverkauf verabschiedet. „Die Kartographie ist auch in den Vereinigten Staaten und Frankreich etwas geschrumpft“, berichtet Müller.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%