Touristikkonzern
Staatsbürgschaft für Hapag Lloyd löst Liquiditätskrise bei Tui nicht

Die Finanzierung des Hannoveraner Konzerns Tui bleibt ein Drahtseilakt. Die Ratingagentur Moody?s hat die Bonitätseinstufung für das Unternehmen und seine Anleihen erneut um eine Stufe von B3 auf Caa1 zurückgenommen. Selbst eine Staatsbürgschaft für Hapag Lloyd würde Tui laut Moody's nicht entscheidend entlasten.

HAMBURG/DÜSSELDORF. Die frühere Tochter Hapag Lloyd bemüht sich um eine Staatsbürgschaft, über die bis Monatsende entschieden werden soll. Die Reederei ist vom dramatischen Verfall der Frachtraten schwer getroffen und will das vor kurzem aufgesetzte Sparprogramm weiter verschärfen.

Tui wird jetzt mit der fünftschlechtesten Note bewertet. Neue Anleihen des Touristikkonzerns würden damit wie bereits zuvor unter den Statusbegriff "Ramsch" fallen. Ein Tui-Sprecher lehnte eine Stellungnahme mit dem Hinweis ab, dass man die Benotung durch Ratingagenturen grundsätzlich nicht kommentiere.

Aktuell hat Tui keinen Refinanzierungsbedarf. Die Einstufung als Ramsch-Papier bedeutet für den Konzern daher keine konkreten Beeinträchtigungen. Dennoch gibt die aktuelle Statusänderung einen klaren Hinweis darauf, wie schwerwiegend die Probleme des Konzerns von außen wahrgenommen werden. Gleichwohl reagierte der Aktienkurs von Tui mit einem kleinen Minus kaum.

Moody?s hält 21 Noten bereit, um die Werthaltigkeit einer Anleihe zu messen. Die ersten zehn gelten dabei als "Investment-Grade", sind also für Investoren geeignet, die kein Ausfallsrisiko bei ihren Anlagen mögen. Die elf weiteren Abstufungen sind für spekulative Papiere gedacht. Tui nun wird auf Stufe 17 eingeordnet. Dies würde eine Ausgabe von Anleihen erheblich verteuern. Investoren verlangen Unternehmen außerhalb des Investment-Grades einen höheren Risikoaufschlag in Form höherer Zinsen.

Moody?s nennt für seine Abwertung von Tui mehrere Gründe. So schlage insbesondere die schwache Kapitalausstattung von Hapag Lloyd und das schwierige Geschäftsumfeld der Hamburger Reederei negativ zu Buche, schreibt der Analyst Richard Morawetz. Moody?s rechnet über einen Zeitraum von 18 Monaten mit einem weiteren Kapital- und Liquiditätsbedarf der Schifffahrtsgesellschaft, für den der Großaktionär Tui maßgeblich geradestehen müsste.

Tui hält 43,3 Prozent der Anteile an Hapag Lloyd, den Rest das Albert-Ballin-Konsortium, dem der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne, die Stadt Hamburg sowie Banken und Versicherungen der Hansestadt angehören. Falls Hapag Lloyd weitere Finanzhilfen der Gesellschafter benötige, würde dies die ohnehin schon angespannte Liquiditätslage der Tui stark belasten, befürchtet Moody's. Denn der Konzern muss 2010 fast eine Mrd. Euro an seine Gläubiger zurückzahlen. Dieser Betrag entspricht dem aktuellen Kassenbestand.

Selbst eine Staatsbürgschaft für Hapag Lloyd, die von der Stadt Hamburg bereits genehmigt und vom Bund in Berlin Ende der Woche wohlwollend diskutiert wurde, würde Tui laut Moody?s nicht entscheidend entlasten. Zwar sinkt dadurch eine eventuelle Nachschusspflicht. Doch es ist ausgeschlossen, dass die Reederei mit dem vom Staat geliehenen Geld ihre Schulden bei der früheren Konzernmutter in Höhe von fast 1,5 Mrd. Euro begleicht.

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