Touristikkonzern
„Tui-Tochter wirft Mutter Rettungsring zu“

Auch wenn Tui einen Zusammenhang zurückweist: Der Reisekonzern braucht offenbar dringend Geld, nachdem er durch die Schieflage der Reederei Hapag-Lloyd in Bedrängnis geraten ist. Wie Tui mitteilte, muss die britische 50-Prozent-Tochter Tui Travel den Großteil eines von der Mutter gewährten Gesellschafterdarlehens über eine Milliarde Euro vorzeitig zurückzahlen.

DÜSSELDORF. Mit einer konzerninternen Milliarden-Transaktion verschafft sich der Reisekonzern Tui Finanzmittel für das neue Geschäftsjahr, das künftig am 1. Oktober beginnt. Dadurch fließen sofort 100 Mio. Euro an die Konzernzentrale in Hannover, die durch die Schieflage von Hapag-Lloyd in Bedrängnis geraten ist. Weitere Tranchen folgen bereits im nächsten Jahr. Die ursprüngliche Vereinbarung sah vor, dass Tui Travel das Darlehen erst Ende Januar 2011 auf einen Schlag tilgt. Nun ist nur noch eine letzte Zahlung über 160 Mio. Euro im April 2011 vorgesehen.

"Die Tochter wirft der Mutter den Rettungsring zu", sagte Kreditanalyst Stefan Schmitz von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Durch die vorzeitige Rückzahlung des Darlehens werde Tui im nächsten Jahr fällig werdende Schulden in Höhe von knapp einer Mrd. Euro jetzt sicher tilgen können.

Ein Konzernsprecher wollte einen Zusammenhang mit den Problemen um Hapag-Lloyd nicht bestätigen. Tui musste im Frühjahr rund 2,4 Mrd. Euro überwiegend als Gesellschafter-Darlehen in die bis dahin hundertprozentige Schifffahrtstochter pumpen, um diese vor dem Untergang zu retten. Heute ist der Reisekonzern noch mit 43 Prozent an Hapag-Lloyd beteiligt, die weiteren Gesellschafter sind unter der Führung der Hansestadt Hamburg im Konsortium Albert Ballin vereint. Sie verabredeten im August eine Rettungsaktion für Hapag-Lloyd, bei der 923 Mio. Euro teils als Kapital, teils über bilanzielle Veränderungen fließen sollen.

Finanzkreise halten es für unwahrscheinlich, dass die Reederei die in den nächsten 18 Monaten fällig werdenden Schulden bei der Mutter zurückzahlen kann. Erwartet wird, dass Tui auf einen Großteil seiner Ansprüche verzichtet. Diese würden in Hybrid-Kapital umgewandelt. Die Bundesregierung will die Rettungsaktion der Gesellschafter mit einer Bürgschaft über 1,2 Mrd. Euro stützen.

Tui-Finanzvorstand Rainer Feuerhake hatte gleichwohl vor Analysten erst im August erklärt, Tui stehe im nächsten Jahr vor keinen Problemen, selbst wenn Hapag-Lloyd "nicht einen Penny" der gewährten Darlehen zurückzahle. Die vorzeitige Darlehensrückzahlung von Tui Travel sei als "vertrauensbildende Maßnahme am Markt" gedacht, sagte der Sprecher jetzt und verwies auf die Feuerhake-Aussage. Mit der Verschiebung der letzten Tranche zeitlich nach hinten werde Tui Travel sogar entlastet: Die Tochter habe dann in den Wintermonaten, die üblicherweise in der Reisebranche zu Verlusten führen, mehr Cash zur Verfügung.

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