„Trader Joe's“
Aldi für Ökos und Intellektuelle

Ein bisschen Öko, ein bisschen Gourmet und ein bisschen Discount: Deutschlands Preiswert-König Aldi erobert mit seiner hippen US-Tochter „Trader Joe's“ die Herzen amerikanischer Ernährungsbewusster, Alternativen und Leckermäuler.

NEW YORK. Der Mann weiß, worauf es ankommt. „Kommt, Leute, probiert diesen göttlichen Gorgonzola-Aufstrich“, lockt der schlaksige, höchstens 25-jährige Kerl mit dem bunten Hawaii-Hemd. „Wenn ich das Zeug nicht loswerde, krieg ich Depressionen, und das wollt ihr doch nicht.“

Die Selbstironie kommt an bei den Kunden in New Yorks neuester Einkaufsattraktion. Einige lachen, und legen eine Packung Gorgonzola-Aufstrich in die kleinen Einkaufswagen. Welche der acht Geschmacksrichtungen, ist ihnen egal. Dicht an dicht schlängeln sich die Kunden durch den ersten „Trader Joe’s“ von New York, der vor einigen Wochen in einem Gebäude der hiesigen Universität nahe am zentral gelegenen Union Square öffnete.

Trader Joe’s ist Kult – und ähnelt darin seinem Mutterkonzern. Der sitzt in Deutschland und heißt: Aldi. Die Kunden lieben das kalifornische Tochterunternehmen, das zum Reich des jüngeren Aldi-Bruders Theo Albrecht gehört, dem Aldi Nord untersteht. Allerdings ist der US-Ableger nicht allein wegen seiner günstigen Preise so populär. Und auch nicht wegen der guten Qualität der Produkte. Mindestens genauso wichtig ist die witzige, alternativ angehauchte Firmenkultur, mit der Trader Joe’s die Herzen der New Yorker Intellektuellen im Sturm erobert hat. Die Produktauswahl ist begrenzt – eine Mischung aus ein bisschen Öko, ein bisschen Gourmet und ein bisschen Discount. Kurzum alles, was der standesbewusste, linksliberale Amerikaner braucht.

Die eigenwilligen Supermärkte sind mit ungebeiztem Zedernholz ausgekleidet. Das soll an einen Schiffsbauch erinnern, an eine „Abenteuerfahrt in neue kulinarische Welten“, wie es das Unternehmen auf seiner Internetseite verkündet. Der Geschäftsführer eines Trader Joe’s heißt daher „Kapitän“, sein Stellvertreter ist der zweite Steuermann. Die ebenfalls holzverkleideten Kassen wirken wie Podeste, hinter denen der Ruderführer, der Kassierer, steht. Alle Mitarbeiter – auch der Käpten – tragen Hawaii-Hemden, „um die lockere Atmosphäre zu fördern“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Das eigenwillige Konzept funktioniert. Seit den Anfängen 1958 in Südkalifornien ist Trader Joe’s auf 253 Filialen in 19 US-Bundesstaaten angewachsen. Zu Umsatz und Gewinn will die Ladenkette sich nicht äußern – eine Parallele zum verschwiegenen Mutterkonzern in Deutschland. Das US-Magazin „Businessweek“ geht davon aus, dass Trader Joe’s 2004 mehr als zwei Milliarden Dollar umsetzte, nach neueren Schätzungen sind es inzwischen über drei Milliarden Dollar. Tendenz weiter steigend.

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