Transatlantikstrecke: Lufthansa prüft Flüge ab Mailand

Transatlantikstrecke
Lufthansa prüft Flüge ab Mailand

Die größte deutsche Fluggesellschaft will die Schwäche der angeschlagenen Alitalia nutzen und auf dem italienischen Markt expandieren. Indirekt erklären die Manager damit auch dem großen Konkurrenten Air France-KLM den Kampf.

DÜSSELDORF/MAILAND. Die Deutsche Lufthansa will das zwischen der EU und den USA im vergangenen Jahr beschlossene Open Skies-Abkommen offensiv nutzen. Die größte deutsche Fluglinie prüft nach Informationen aus Branchenkreisen die Aufnahme von Transatlantik- und Europaflügen vom Flughafen Mailand-Malpensa und die Stationierung von mehreren Maschinen dort.

Um für die Start- und Landerechte zu bieten, werden Vertreter der Lufthansa in der kommenden Woche möglicherweise bei der staatlichen Organisation Assoclearance vorsprechen. Ein Vertreter der Slot-Vergabestelle sagte dem Handelsblatt, dass für den 29. Januar ein Treffen zwischen Vertretern von Assoclearance und Lufthansa angesetzt sei. Ein Sprecher der Lufthansa dementierte gestern, dass es einen solchen Termin gebe und dass Lufthansa bereits von April an Flugzeuge in Malpensa stationieren werde, um von dort neue Flugstrecken aufzunehmen. Ein grundsätzliches Interesse an Italien als einem „der attraktivsten europäischen Märkte“ bestätigte der Lufthansa-Sprecher jedoch.

Die Mailänder Flughafengesellschaft Sea sagte, dass sie derzeit Gespräche mit unterschiedlichen Fluggesellschaften führe, um den Verlust der Alitalia-Flüge von Malpensa auszugleichen. Alitalia belegte bisher rund die Hälfte der Slots des norditalienischen Flughafens, der zwar deutlich weniger Passagiere abfertigt als Rom-Fiumicino, dafür aber ein hohes Geschäftsreiseaufkommen hat. Ab Mai will die angeschlagene Alitalia ihre Flüge ab Mailand drastisch reduzieren. Die Airline, die derzeit in Verkaufsverhandlungen mit Air-France-KLM steht, will die Zahl der Flüge ab Malpensa mittelfristig von rund 1 238 wöchentlich auf rund 440 reduzieren. Einige Flüge nach Osteuropa und nach Schanghai hat die halbstaatliche Fluggesellschaft bereits gestrichen. Die frei gewordenen Slots, die nicht mehr genutzt werden, müssen per Gesetz zum 31. Januar freigegeben werden.

Das Open-Skies-Abkommen erlaubt europäischen Fluglinien ab April, von allen EU-Flughäfen aus in die USA zu fliegen. Nach bisherigen Regularien darf etwa die Lufthansa nur aus Deutschland und mit ihrer Tochter Swiss nur aus der Schweiz direkt in die USA fliegen. In den vergangenen Monaten und Wochen hatten sich auch schon die direkten Konkurrenten in Position gebracht. British Airways (BA) gründete eine Fluglinie names „Open Skies“, die ab Juni 2008 vom Kontinent aus in die USA fliegen soll. Und Europas Nummer eins, Air France-KLM kündigte an, ein Joint Venture mit der drittgrößten amerikanischen Fluggesellschaft Delta Air Lines einzugehen.

Der Wettbewerb über dem Atlantik würde sich durch die Pläne der großen drei Linienfluggesellschaften verschärfen. Lufthansa ist mit einem Jahresumsatz von zuletzt knapp 20 Mrd. Euro (2006) nach Air France-KLM die zweitgrößte Fluggesellschaft Europas und der Welt. Das operative Ergebnis lag bei 845 Mill. Euro. Über dem Nordatlantik ist Lufthansa mit 33 Strecken aus Deutschland und acht aus der Schweiz bereits gut positioniert. Die Verbindungen gelten wegen der vielen Geschäftskunden als wachstumsstark und lukrativ.

Mailand wäre nach Frankfurt, München, Zürich, Düsseldorf und Genf der sechste Start- und Landepunkt für Transatlantikflüge. Branchenexperten würden Starts ab Mailand begrüßen. „Die Lufthansa würde ihr Netz dezentralisieren, und damit ganz im Sinne der Kunde handeln und auf den zunehmenden Wettbewerb reagieren“, sagt Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Der norditalienische Markt sei aufgrund der Geschäftsreisenden, die die Alitalia jahrelang vernachlässigt habe, zudem interessant. Und mit den Direktflügen ab Mailand würde Lufthansa zudem der an Alitalia interessierten Air France-KLM Paroli bieten.

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