Transfergesellschaft
Entscheidende Runde für Schlecker

Tausende „Schleckerfrauen“ zwischen Hoffen und Bangen. Schon bald sollen sie ihren Arbeitsplatz bei der insolventen Drogeriekette verlieren - und immer noch ist nicht klar, wie es für sie weitergeht.
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Ehingen/BerlinDas Ringen um eine Transfergesellschaft für die 11 000 von Entlassung bedrohten Schlecker-Beschäftigten geht am heutigen Donnerstag in eine entscheidende Runde. Vertreter der Bundesländer wollen in Berlin erneut über die dafür notwendige Bürgschaft beraten. Es geht um einen Kredit der bundeseigenen Förderbank KfW in Höhe von 71 Millionen Euro, den der Bund nur freigeben will, wenn die Länder im Notfall dafür geradestehen.

In einer Transfergesellschaft würden die Schlecker-Mitarbeiter bis zu einem Jahr lang einen Großteil ihres Gehalts weiterbekommen und gleichzeitig für Bewerbungen geschult. Doch obwohl Vertreter der 16 Bundesländer am Montag bereits eine grundsätzliche Einigung über die für die Finanzierung der Transfergesellschaft nötige Bürgschaft getroffen hatten, ist nicht sicher, wie stark sich die einzelnen Länder beteiligen und ob überhaupt alle Bundesländer mitziehen.

Weder das federführende baden-württembergische Wirtschaftsministerium noch Schlecker wollten sich am Mittwoch zu den Erfolgsaussichten äußern. Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) hatte sich vor einigen Tagen aber bereits „vorsichtig optimistisch“ gezeigt. Dagegen wird sich Sachsen-Anhalt vermutlich nicht beteiligen.

Eine Transfergesellschaft sei angesichts der über das ganze Land verteilten Schlecker-Filialen nicht zielführend, sagte CDU-Landesfraktionschef André Schröder am Mittwoch in Magdeburg. Auch der niedersächsische Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) äußerte sich am Abend nach Angaben seines Sprechers skeptisch. Die Transfergesellschaft diene in erster Linie als Instrument zur Restrukturierung des in Baden-Württemberg ansässigen Unternehmens Schlecker.

Es gehe dabei nicht um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Eine Sprecherin des hessischen Wirtschaftsministeriums sagte der dpa am Abend, das Land gehe „ergebnisoffen“ in die Gespräche. Es treffe nicht zu, dass sich Hessen auf eine Ablehnung festgelegt habe. Allerdings hätten bislang weder Baden-Württemberg, noch der Schlecker-Insolvenzverwalter Unterlagen vorgelegt, die „in irgendeiner Form prüffähig gewesen“ seien.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Wir retten alles und vernichten dabei fast alles total: Eine Transfergesellschaft für 71. Millionen erscheint zwar als Klacks, wenn man diese in unseren Hunderte von Milliarden schweren Rettungskostenwildwuchs einordnet, der uns wahrscheinlich bald in allen Giftfarben blühen wird. Er ist auch nur eine kleine Sünde auf unserem Weg weg von der Sozialen Marktwirtschaft in die gesteuerte Planwirtschaft.Er macht auch deutlich wie notwendig es inzwischen ist, dass wir uns unseres freiwilligen Marsches in den menschenverachtenden Sozialismus bewusst werden. Ludwig Erhards "Wohlstand für alle" oder Hayecks "Der Weg in die Knechtschaft" sollte für alle öffentlichen Meinungsführer vom Grundschullehrer bis zum Politiker zur Pflichtlektüre werden. Dann noch ein realistisches Menschbild, das zeigt, wie wir Menschen tatsächlich danach lechzen, uns in der Gesellschaft bewähren zu können statt dauernd bemuttert zu werden und unsere Zukunft wäre gesichert. So aber folgen wir dem Megatrend CRASH, unter dem nicht erst unsere Kinder sondern die meisten von uns Bürgern, die nicht zur Nomenklatura gehören und keine Beziehungen nach oben haben, schwere Zeiten erwartet. Dann gibt es für uns alle keine Auffanggesellschaft. Nur noch das Glück, jemanden aus dem Kreis der ProfiteureLLb5 dieser Politik näher zu kennen, die das alles politisch zu verantworten haben.
    Zauberlehrling

  • Vor ein paar Tagen machte ein Mitforist einen interessanten Vorschlag: ob man denn die infrage stehenden Filialen nicht im Rahmen eines Franchise-Systems handhaben könnte.
    Angesichts 11.000 infrage stehender MA wäre so etwas natürlich ersteinmal durchzurechnen; dabei wäre da doch schonmal überhaupt eine Richtung angedacht, in der man bespielsweise auch denken könnte, ganz abgesehen von noch anderen Überlegungen.
    Das mag der Schlecker Truppe vielleicht nicht in den Kram passen.
    11.000 MA im gewohnten Verfahren zu verhandeln erschiene insgesamt jedenfalls etwas zu sehr nach Gutsherrenart abfrühstückbar zu sein.

  • die Verantwortung für diese Misere sollen die Schleckers übernehmen, die haben die Firma ruiniert und in die Insolvenz gebracht

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