Transfergesellschaft
Niedersachsen sperrt sich gegen Schlecker-Hilfe

Niedersachsen wird sich nicht an einer Transfergesellschaft für Schlecker-Mitarbeiter beteiligen. Die Folgen der Entscheidung sind noch unklar, die Unsicherheit für die Beschäftigten bleibt bestehen.
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EhingenEine Bürgschaft der Länder zur Finanzierung von Schlecker-Hilfen steht auf der Kippe. Am Dienstagabend lehnte Niedersachsen als erstes Bundesland eine Beteiligung an der von Baden-Württemberg angeregten Transfergesellschaft ab. Die Auswirkungen der Entscheidung waren zunächst unklar. Auch Sachsen hatte sich skeptisch geäußert, während die anderen Bundesländer grundsätzlich Bereitschaft gezeigt hatten, sich zu beteiligen.

Am Mittwoch entscheidet der Landtag in Stuttgart darüber, ob das Land für die anderen in Vorleistung geht, um die Gründung von Transfergesellschaften zu ermöglichen. Die 11.200 vor einer Kündigung stehenden Schlecker-Mitarbeiter mussten sich trotz ungesicherter Finanzierung am Dienstag für einen Wechsel in die Gesellschaften entscheiden. Derweil hält der Streit um Staatshilfen für Schlecker an.

Der baden-württembergische Finanz- und Wirtschaftsausschuss soll erst den Entschluss fassen, in Vorleistung für die anderen Länder zu gehen und für einen Kredit der Förderbank KfW über 70 Millionen Euro zu bürgen. Der Wirtschaftsminister im Schlecker-Stammland, Nils Schmid (SPD), forderte als Voraussetzung dafür eine „habhafte politische Zusage“ der anderen Bundesländer, dass sie ihren Anteil erbringen.

In einem Brief an Schmid erklärte dessen niedersächischer Amtskollege Jörg Bode (FDP), er sehe „keine Möglichkeit, dem niedersächsischen Kabinett derzeit ein positives Votum zur Übernahme einer Bürgschaft vorschlagen zu können“. Bode kritisierte die „Unzuverlässigkeit der seitens des Insolvenzverwalters bereitgestellten Daten“ und äußerte „erhebliche Zweifel an der Umsetzbarkeit des Fortführungskonzepts“. Der sächsische Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) sagte, es seien nicht alle Informationen in der Form vorhanden, dass sie für eine Bürgschaft belastbar wären. Nach „jetzigem Stand“ werde es aus Sachsen keine Bürgschaft geben.

Ohne die geplanten Transfergesellschaften für die meisten der 11.000 vor der Entlassung stehenden Mitarbeiter drohe der Verkauf der Pleite gegangenen Drogeriekette zu scheitern. „Wenn es keine Transfergesellschaften gibt, kommen laut Fachleuten Tausende von Kündigungsschutzklagen auf Schlecker zu. Wenn das so ist, wäre der Investorenprozess massiv gestört“, sagte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am Dienstag.

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  • Leider haben die betroffenen Mitarbeiter nicht wirklich etwas von den Transfergesellschaften und der "Weiterbildung". Meist machen nur die Anbieter von Transfergesellschaften ihren Schnitt (wie man schon öfter lesen konnte, die Gewerkschaften).
    Wenn ein großes Unternehmen schließt, das an einem oder wenigen Standorten konzentriert ist, mag so etwas ja auch für die Mitarbeiter noch angehen. Wie soll das aber bei Schlecker funktionieren, wo die Mitarbeiter über alle Dörfer Deutschlands verteilt sind? Da werden sich die Betroffenen aber freuen, wenn sie, vermutlich auch öfters auf den Bus angewiesen, irgendwohin reisen dürfen, um den platten Weisheiten eines Beraters zu lauschen.
    Das Geld kann man wohl sparen.

  • Niedersachsen macht es richtig!

  • das ist ja alles noch viel schlimnmer: die tun sich da gegenseitig im Bewußtsein alles besser machen zu wollen noch viel Schlimmeres an.
    Alle haben das Gute im Kopf: machen tun die alles noch viel viel schlimmer: warum?
    Weil sie die Welt retten, oder verändern - wozu eigentlich - wollen.
    Was für eine Hybris.

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