Transparente Lieferketten
Kein Durchblick im Waren-Dschungel

20.000 Produkte stehen bei großen Supermärkten in den Regalen. Doch für Kunden ist es oft schwer zu erkennen, woher die Ware kommt. Die jüngsten Lebensmittelskandale zeigen: Hersteller und Handel haben Nachholbedarf.
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Düsseldorf„Das Palmöl kommt aus Rotterdam und der Kaffee aus Hamburg.“ So viel wussten die Einzelhandelsunternehmen noch vor 10 Jahren über die Herkunft der Produkte in ihren Regalen. Das sagt zumindest Martina Fleckenstein von der Naturschutzorganisation WWF. Seither habe sich viel getan, lobt Fleckenstein. Die WWF-Aktivistin arbeitet daran, mehr Informationen über die Herkunft von Lebensmitteln zu sammeln und Supermarkt-Kunden verfügbar zu machen.

Dass noch viel zu tun bleibt, zeigt sich an den jüngsten Lebensmittelskandalen: So wurde am Dienstag bekannt, dass nicht nur Millionen Eier mit dem Insektengift Fipronil verseucht wurden. Laut „Süddeutscher Zeitung“ stehen auch über 100 Eier- und Tiefkühlprodukte im Verdacht, Spuren des in Lebensmitteln verbotenen Giftes zu enthalten.

Zudem wiesen Wissenschaftler den Unkrautvernichter Glyphosat in Speiseeis nach. Auch die beliebte Unilever-Marke „Ben & Jerry’s“ sei  betroffen, sagte Forscher Gilles-Eric Séralini am Dienstag in Brüssel.

Das wachsende Informationsbedürfnis seitens Öffentlichkeit, Nichtregierungsorganisationen wie dem WWF, Analysten und Investoren ist für Hersteller und Händler eine Herausforderung. So führt ein großer Supermarkt häufig über 20.000 Artikel. Was mit den Leckereien leider oft nicht mit einzieht, sind Informationen über Herkunft und vor allem Weiterverarbeitung. Unter welchen Arbeitsbedingungen und Hygienestandards die Beteiligten ihren Müsliriegel herstellten, ob dafür der Wald gerodet oder Menschen ausgebeutet wurden, fragt sich der Verbraucher vergeblich.

Dabei wäre es ein Leichtes, große Datenmengen zu sammeln, sagt WWF-Aktivistin Fleckenstein: „Wir leben in der Digitalisierung. Es war noch nie einfacher, Lieferketten nachzuvollziehen“.  Es sei sogar möglich, das Palmöl, das in einem verarbeiteten Produkt auf der Zutatenliste steht, bis auf den Baum genau zurückzuverfolgen.

Doch der Grund, warum Lebensmittelkonzerne ihre Kunden noch nicht flächendeckend über die Herkunft ihrer Waren informieren, sei einfach, sagt Konstantin Bark vom Konsumgüterhersteller Unilever. „Das ist noch kein ausschlaggebendes Kaufkriterium geworden“. Ignorieren könnten weder Konzerne wie Unilever noch Händler das Thema transparente Lieferketten jedoch nicht. Bei jedem Lebensmittelskandal riskierten sie, Kunden zu verlieren.

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