Transparente Lieferketten
Kein Durchblick im Waren-Dschungel

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Welche Orientierungshilfen es für Verbraucher gibt

Das Problem: Wenn die Kunden nicht bereit sind, für kontrollierte Lebensmittel mehr zu bezahlen, haben Hersteller und Händler keinen Anreiz, in transparente Lieferketten zu investieren: „Hier ist die Politik gefordert“, betont Martina Fleckenstein. So haben die Vereinten Nationen transparente Lieferketten in ihre Agenda 2030 aufgenommen, auch die 20 größten Industriestaaten, die G20, sehen Handlungsbedarf.

Fleckenstein gehen diese Absichtserklärungen nicht weit genug: Sie fordert strengere Kontrollen für alle Lebensmittel, nicht nur für zertifizierte Bio-Produkte. Dabei sollten die Händler nicht zusätzlich belastet werden. Es seien die Verbraucher, die durch ihre Kaufentscheidungen bestimmen, welche Lebensmittel in den Regalen bleiben. „Wir müssen die Gesellschaft sensibilisieren und so die Nachfrage erhöhen“, sagt Unilever-Sprecher Bark.  

Orientierungshilfe für Verbraucher geben die 230 existierenden Standards und Zertifizierungen, etwa das MSC-Siegel für nachhaltige Fischerei: „Allerdings mit Einschränkungen“, sagt Fleckenstein. „Kunden wollen nicht bei jedem Produkt einzeln entscheiden müssen, ob es ethisch vertretbar ist.“

Bei vielen Nachhaltigkeitszertifikaten sei es zudem schwer zu beurteilen, ob sie überhaupt etwas bringen, bemängelt sie. Auch würden Kleinbauern, die immerhin rund 80 Prozent der Lebensmittel herstellen, zu selten miteinbezogen. Wissenschaftliche Belege über den ökonomischen Sinn von Nachhaltigkeit gebe es schlichtweg nicht.

Guido Wolf, Geschäftsführer des Nussverarbeiters Ueltje, sieht das anders: „Nachhaltigkeit kann sich rechnen“, meint er und betont, dass sich gerade Investitionen in diese Richtung erst Jahre später bemerkbar machen. „Nachhaltigkeit ist gut fürs Image und für die Bewertung eines Unternehmens“, bestätigt Dirk Heim, der bei Rewe die Eigenmarken verantwortet.

Und obwohl es auch hier keine Belege dafür gebe, dass sich der positive Effekt von Nachhaltigkeitsprogrammen auch in den Zahlen widerspiegelt, „würden wir es langfristig merken, wenn wir nichts in die Richtung tun würden“, ist sich Heim sicher.

Für Ueltje geht es jedoch nicht nur um ein besseres Image – der Konzern will durch transparente Lieferketten auch schlicht seinen Nuss-Nachschub sichern: Das Unternehmen schult seine Produzenten – meist Kleinbauern –  in der Pflege der Bäume. Diese wüssten oft nicht, dass einfache Beschneidungen der Bäume zu mehr Ertrag führe. Schulungen in dieser Thematik können den Ertrag verdoppeln. Ueltje-Chef Wolf sagt: „Damit ist schließlich jedem geholfen.“

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