Transport für Jecken
Invasion der Karnevalisten

Während die Feierlustigen in die Karnevalhochburgen pilgern, stemmen die Verkehrsbetriebe tausend Zusatzfahrten. Profitabel ist das allerdings nur für Wenige. Unterwegs auf Kölner Straßen an Karneval.
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KölnBeim Blick auf die schwarze Anzeigetafel mit roter Leuchtschrift strecken zwei Jecken im Ringel-T-Shirt, Mottoschal und Hut verziert mit bunten Anstecknadeln ihre Kölsch-Gläser spontan nach oben. Drei Bahnen innerhalb von wenigen Minuten, das gibt es am Zülpicher Platz in der Kölner Innenstadt nur an Karneval. Die Feierlustigen senken ihre Biere aber schnell wieder, als sie den ersten Zug erblicken: Schulter an Schulter drängen sich drinnen Meerjungfrauen und Jetpiloten.

Erst in der dritten Bahn können sich die beiden gerade noch so an die Türen quetschen. Weil aber an Weiberfastnacht, dem Auftakttag des Straßenkarnevals im Rheinland, großzügig über das Alkoholverbot in den Trams hinweggesehen wird, lässt sich niemand von „ein wenig Gruppenkuscheln“ die Laune verderben.

1.850 Zusatzfahrten leisten die Kölner Verkehrs-Betriebe bis Aschermittwoch mit Bahnen und Bussen. Deshalb kommt die Buslinie 132 in der Kölner Südstadt nun alle paar Minuten um die Ecke gesaust. Auch hier kaum ein Platz zum Stehen und ein Geräuschpegel wie in einem Fahrzeug vollbesetzt mit Schulkindern. Wenn mal wieder ein Kostümierter mit Tunnelblick über die Straße huscht, wippen die Passagiere wie eine einzige große Welle erst nach vorn und dann wieder nach hinter. Ob dem Fahrer dabei nicht mulmig zu Mute ist?

Weil, wie jedes Kind weiß, das Sprechen mit Busfahrer während der Fahrt verboten ist, erzählt Nicole Pohl bereits einen Tag vor den vielen Zusatzschichten von ihren Erlebnissen aus dem letzten Jahr. Zweimal war die 27-Jährige schon während des Ausnahmezustands auf den Kölner Straßen unterwegs. Und mit der Ruhe einer Frau, für die Stau und Verkehrsstress Alltag sind, erzählt sie: „Auch an Weiberfastnacht ist bisher alles gemächlich abgegangen.“

Klar, es gebe viel zu beachten. Schon vor Dienstbeginn ist Schluss mit Routine, weil die Routen anders verlaufen als sonst. Und unterwegs werde es richtig laut im Bus und sie müsse wegen der vielen Betrunkenen überall ihre Augen haben. Aber zu einem Zwischenfall sei es für sie nur einmal gekommen. Ein junger Mann im Löwenkostüm versuchte an einer Haltestelle auf der rechten Rheinseite von Köln unter reichlich Mithilfe seiner Freunde in das Fahrzeug zu steigen – doch vergebens. Der Karnevalist hatte so viel Kölsch getrunken, dass Pohl den Rettungswagen rufen und ihre Fahrt abbrechen musste. In diesem Jahr gab es zwei Schwerverletzte bei Unglücken mit Straßenbahnen.

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