Trend zum „Webrooming“: Die Renaissance der Filiale

Trend zum „Webrooming“
Die Renaissance der Filiale

Den Verkäufer im Laden ausquetschen und dann doch im billigen Online-Shop kaufen? Das war gestern, zeigt eine Studie. Viele Kunden informieren sich zuerst online – und kaufen doch im Geschäft. Wie Händler reagieren.

DüsseldorfEs ist die Horrorvorstellung jedes Geschäftsinhabers. Der Kunde lässt sich in der Filiale ausführlich beraten, probiert die Produkte aus, prüft Passform und Qualität – und verlässt den Laden wieder, ohne etwas gekauft zu haben. Denn das Geschäft macht ein Onlinehändler, der einen etwas besseren Preis bietet.

„Showrooming“ nennen Fachleute dieses Phänomen. Es galt lange als Indiz dafür, dass der stationäre Handel in absehbarer Zeit komplett vom E-Commerce verdrängt werden wird.

Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Untersuchungen des Marktforschungsunternehmens Nielsen zeigen, dass sich die Entwicklung zumindest zum Teil umgedreht hat. Immer mehr Deutsche beginnen mittlerweile ihren Einkaufsbummel online – und kaufen dann in der Filiale. „Im Geschäft anschauen und dann online zum günstigsten Preis kaufen, scheint für deutsche Konsumenten nicht grundsätzlich zu gelten“, sagt Nina Gemkow, E-Commerce-Expertin von Nielsen.

Das gilt insbesondere für Unterhaltungselektronik, wie zum Beispiel Digitalkameras oder Fernsehgeräte. 59 Prozent der Befragten gaben an, sich bei diesen Produkten zunächst im Netz informiert zu haben und dann aber doch im Laden gekauft zu haben. Auch bei Smartphones und Laptops liegt die Quote des „Webrooming“ mit 50 Prozent überraschend hoch.

Die Gründe dafür sind vielfältig. „Im Geschäft kann man Produkte real erleben, kann sie fühlen und ausprobieren. Es gibt zwar immer mehr Produktvideos im Internet, aber die reichen vielen Kunden nicht aus“, erläutert Gemkow von Nielsen. Ein gutes Beispiel dafür sind Rasierapparate: Der Kunde möchte im Geschäft hören, wie laut das Gerät ist, bevor er sich entscheidet. „Das trifft insbesondere auf Produkte zu, die der Verbraucher zum ersten Mal kauft oder bei denen er sich noch nicht sicher ist, welches Modell das richtige für ihn ist.“

„Das Kauferlebnis ist im Laden intensiver als online“, bestätigt der 28-jährige Marco Witt. „Ich möchte das Produkt vor dem Kauf in der Hand halten.“ Dennoch fällt er seine Kaufentscheidung in der Regel im Internet. „Gerade bei Unterhaltungsmedien und elektronischen Geräten will ich sichergehen, dass mir das Gekaufte auch tatsächlich gefällt. Deswegen lese ich vorab Rezensionen auf Blogs oder Bewertungsportalen, bevor ich das Produkt dann schließlich im Laden kaufe.“

Bei Küchengeräten, der sogenannten Weißen Ware, lege er zudem Wert auf eine fachmännische Beratung: „Die Internet-Bewertungen sind eine erste Orientierung, welche Produkte überhaupt in Frage kommen könnten. Endgültig entscheide ich mich aber erst, wenn ich in der Filiale beraten werde.“ Gerade Onlinehändler für Konsumelektronik haben daraus die Konsequenz gezogen.

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