Trenitalia
Italiens Bahn vor Einstieg in Deutschland

Im Verkaufspoker der Deutschen Bahn um die deutschen Arriva-Anteile hat italienische Staatsbahn Trenitalia gute Chancen, die französische Konkurrenz von Veolia oder Keolis auszustechen. Aus Bahnkreisen wird berichtet, dass sich Bahnchef Mauro Moretti persönlich Verhandlungen eingeschaltet habe.
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MAILAND, DÜSSELDORF. Die italienische Staatsbahn Trenitalia steigt möglicherweise im nächsten Jahr in den deutschen Nahverkehrsmarkt ein. Sie hat gute Aussichten, die deutschen Strecken des britischen, europaweit tätigen Bus- und Bahn-Konzerns Arriva von der Deutschen Bahn (DB) zu übernehmen, heißt es aus Verhandlungskreisen. Die Bahn hat Arriva in diesem Jahr für 2,8 Mrd. Euro gekauft und muss sich aus kartellrechtlichen Gründen von der Arriva Deutschland trennen.

Die Verhandlungen um die deutsche Tochter, die nach DB Regio und Veolia Verkehr drittgrößter Anbieter im Lande mit Bus- und Bahndiensten zwischen Nordsee, Erzgebirge und Allgäu ist, gehen nach Angaben aus den Kreisen in die Endphase. Bis zum 29. November müssten die verbliebenen Bieter ein rechtlich bindendes Gebot für das Unternehmen abgeben, das zuletzt mit knapp 30 Mio. Zug- und 55 Mio. Buskilometern im Jahr rund 460 Mio. Euro Umsatz gemacht hatte.

Sollte Trenitalia das Rennen machen, wären die Italiener die Überraschungssieger, heißt es bei Beratern in der Verkehrsbranche. Dort war erwartet worden, dass die französischen Wettbewerber Veolia oder Keolis – eine Beteiligung der französischen Staatsbahn SNCF – das beste Angebot vorlegen würden. Beide Gesellschaften könnten ihre Position im deutschen Markt mit den von Arriva betriebenen Verkehren nicht unerheblich ausbauen.

Bis zu zehn Unternehmen aus dem In- und Ausland hatten sich um die Arriva Deutschland bemüht. Die italienische Staatsbahn war erst im Herbst hinzugestoßen. Sie tritt gemeinsam mit dem in Luxemburg ansässigen Finanzinvestor Cube an. „Die Karten im europäischen Nahverkehr werden neu gemischt“, sagt Maria Leenen, Geschäftsführerin der Beratungsfirma SCI Verkehr. Für die Deutsche Bahn sei ein Verkauf von Trenitalia nicht uninteressant, auch weil damit „keine Konsolidierung der Wettbewerbslandschaft stattfindet“: Es komme ein neuer Player in den Markt, und die aggressiven französischen Konkurrenten würden nicht auf einen Schlag an Größe zunehmen.

Ein Sprecher von Trenitalia wollte die Verhandlungen nicht bestätigen. Er sagte lediglich ein: „Wir sind sehr an Deutschland interessiert und wir schauen uns im Ausland alles an, was profitabel ist, Fernverkehr, Nahverkehr, Personen- und Güterverkehr.“ Aus deutschen Bahnkreisen wird berichtet, dass sich der italienische Bahnchef Mauro Moretti persönlich in die Arriva-Verhandlungen eingeschaltet habe.

Trenitalia ist bereits im Schienengüterverkehr in Deutschland präsent und seit 2005 mit 51 Prozent an der Bahngesellschaft TX Logistik in Bad Honnef beteiligt. Das von Logistikern gegründete Unternehmen fährt europaweit kombinierten Verkehr mit Lkw-Aufbauten und Containern und sogenannte „Ganzzüge“, die ohne Rangiermanöver vom Start bis zum Ziel durchfahren. Umgekehrt ist die DB auch in Italien als Konkurrent aktiv: Sie hält die Mehrheit an Nord-Cargo, Italiens zweitgrößter Güterbahn.

Im Personenverkehr machte Trenitalia im vergangenen Jahr bei 5,6 Mrd. Euro Umsatz rund 216 Mio. Euro operativen Gewinn. Das Unternehmen konzentriert sich laut Moretti neben dem Nahverkehr vor allem auf den Hochgeschwindigkeitsverkehr. Klassische Städteverbindungen wie das Intercity-Netz blieben dabei auf der Strecke. So haben die DB und die Österreichischen Bundesbahnen Ende 2009 damit begonnen, in eigener Regie im Wettbewerb zu Trenitalia auf der Brenner-Strecke bis zu fünf modern ausgestattete Eurocity-Züge täglich nach Bozen, Verona, Bologna und Mailand fahren zu lassen.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

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