Trotz Fusionsplänen
Arcandor hofft noch auf den Staat

Die beiden deutschen Warenhausbesitzer Metro und Arcandor kommen sich überraschend näher. Erstmals erklärten die Eigentümer von Kaufhof und Karstadt am Donnerstag in einer gemeinsamen Presseerklärung, sie seien übereingekommen, "dass die Bildung einer Deutschen Warenhaus AG durch das Zusammengehen von Kaufhof und Karstadt grundsätzlich ein vernünftiger Weg für die Zukunft der Warenhäuser in Deutschland sein kann".

DÜSSELDORF. Metro-Chef Eckhard Cordes und der erst seit kurzem amtierende Arcandor-Vorstandsvorsitzende Karl-Gerhard Eick hatten sich am Donnerstag zu ersten Sondierungsgesprächen getroffen.

Zu Einzelheiten des Gesprächs gaben beide Seiten keine Auskunft. Aus Kreisen des Kaufhof-Eigentümers Metro erfuhr das Handelsblatt indes, dass bei einer Zusammenlegung beider Warenhausketten wohl mehrere Standorte von Metros Elektronikmärkten Saturn und Media-Markt übernommen werden könnten. Eine ähnliche Absicht der expandierenden Ingolstädter Fachmarktkette gibt es bereits für ein geschlossenes Hertie-Haus in Köln-Chorweiler, wie es in vertraulichen Plänen heißt. Die ehemalige Arcandor-Tochter Hertie hatte am Mittwoch nach einem gescheiterten Insolvenzverfahren ihr endgültiges Aus bekanntgegeben.

Durch die Fusion von Kaufhof und Karstadt entstünde zunächst ein Handelsriese mit 206 Warenhäusern und 40 Sportfachmärkten ("Karstadt Sports", "Sportarena"). Zusammen käme das Unternehmen mit 60 000 Beschäftigten auf 7,5 Mrd. Euro Umsatz und damit auf einen Marktanteil von 1,9 Prozent im deutschen Einzelhandel.

Der Essener Arcandor-Konzern, zu dem auch Quelle und Thomas Cook gehören, hält unterdessen weiterhin auch an seinem Antrag auf 650 Mio. Euro Staatshilfe aus dem Wirtschaftsfonds Deutschland fest.

Trotz der grundsätzlichen Zustimmung zu einer Fusion der eigenen Warenhauskette Karstadt mit dem Wettbewerber Kaufhof hält Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick an der Absicht fest, vom Staat schnellstmöglich eine Kreditbürgschaft zu erhalten. "Unser Antrag ist inzwischen in Berlin eingegangen, und wir arbeiten mit Volldampf an diesem Thema", sagte dazu am Donnerstag ein Konzernsprecher.

Der Essener Konzern, dessen Warenhausgeschäft mit vier Mrd. Euro ein Fünftel der Gesamteinnahmen stemmt, benötigt eine Zusage bis spätestens 12. Juni. Dann nämlich läuft ein von Dresdner Bank/Commerzbank, Royal Bank of Scotland und Bayerischer Landesbank getragener Konsortialkredit über 650 Mio. Euro aus. Zuletzt hatten Bankenkreise gegenüber dem Handelsblatt signalisiert, dass es nur zu einer Verlängerung der Kreditlinien kommen werden, falls der Staat für mehr als die Hälfte der Außenstände bürgen werden. Die Verhandlungssituation ist auch deshalb heikel, weil Arcandor-Chef Eick bereits angekündigt hat, dass er zusätzlich zur Verlängerung der Kreditlinie einen weiteren Finanzbedarf über 900 Mio. Euro habe. Mit diesem Geld will er den maroden Essener Konzern wieder auf Vordermann bringen, was in Branchenkreisen allerdings mit Skepsis gesehen wird. Schon Eicks Vorgänger Thomas Middelhoff hatte 1,78 Mrd. Euro in die Sanierung gesteckt, ohne dass sich die verheerende Ertragssituation besserte.

Seite 1:

Arcandor hofft noch auf den Staat

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%