Trotz Protest-Brief
Amazon deaktiviert Bestellungen von Disneyfilmen

Amazon weitet seinen Preiskampf von E-Books auf Filme aus. Damit zeigt sich der Onlineriese unbeeindruckt von jüngsten Protesten durch Top-Autoren und Verlage gegen die Methoden des US-Versandhändlers.
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Amazon setzt seine schroffe Verhandlungstaktik im Kampf um niedrigere Preise immer breiter ein. Mehr als 900 Autoren protestierten am Sonntag mit einem offenen Brief gegen die umstrittenen Methoden des Versandhändlers. Der Konflikt scheint sich derweil auszuweiten - betroffen waren am Wochenende auch Filme wie „Captain America“ und „Die dunkle Fee“ aus dem Hause Disney.

Kurz vor den Verkaufsstarts der DVDs hat Amazon die Funktion für Vorbestellungen in seinem Marktplatz deaktiviert. Wie zuerst das Fachblatt „Home Media Magazine“ bemerkte, galt dies für nahezu alle Disney-Titel.

Die Situation erinnert an Konflikte zwischen Amazon und Time Warner sowie dem Verlag Hachette. In beiden Fällen baute das Versandportal auf diese Weise Druck bei den Verhandlungen um neue Vertriebs-Deals auf. Warner-Filme waren deshalb von Mitte Mai bis Ende Juni nicht vorbestellbar. Ob sich zwischen Walt Disney und Amazon ähnliches anbahnt, ließ sich zunächst nicht aufklären. Die Unternehmen halten sich bislang bedeckt.

In der New York Times fanden Leser an diesem Sonntag aus einem ähnlichen Grund eine ungewöhnliche Großanzeige: Es handelte sich nicht um Werbung, sondern um einen Protestbrief. Der Bestseller-Autor Douglas Preston prangert in einem offenen Brief den US-Versandhändler Amazon an, die New York Times berichtete frühzeitig dazu. Weitere 908 US-Autoren haben den offenen Brief unterzeichnet, unter ihnen auch der Kult-Autor Stephen King.

Douglas Preston beschwert sich im Protestschreiben gegen die Methoden Amazons. Er wirft dem Online-Händler vor, absichtlich Lieferengpässe bei Büchern zu verursachen, dessen Verlage keine höheren Rabatte auf E-Books einräumen wollten. Der Verlag Hachette, für den Preston Krimis schreibt, gehöre dazu.

In seinem Brief fordert Preston die Leser dazu auf den Amazon-Chef Jeff Bezos zu kontaktieren und ihn aufzufordern Schriftsteller nicht länger als „Geiseln“ zu benutzen. Dabei sei Amazon doch durch Bücher erst groß geworden. „Und nun hat Amazon uns den Rücken zugewandt. Schätzen sie uns nicht mehr? Haben sie keine Loyalität uns gegenüber? Deshalb sind die Autoren wütend.“, heißt es in dem Brief.

Dass Amazon mit den Verlagen keine Gnade kennt, ist nicht neu. Der Online-Händler versucht regelmäßig die Preise zu drücken, um günstiger als die Konkurrenz zu sein. Amazons Größe hilft dabei häufig. Allerdings möchte Amazon es sich nicht mit den Autoren verfeinden. Ganz im Gegenteil. Amazon bietet Autoren die Möglichkeit ausschließlich beim Online-Händler zu publizieren und dafür höhere Margen als bei den üblichen Verlagen zu bekommen.

Douglas Preston erntet allerdings auch Kritik. Amazon wirft dem Autor vor vom Verlag Hachette als menschliches Schutzschuld missbraucht zu werden. Preston und die anderen Autoren behaupten jedoch vollkommen unabhängig zu handeln. Ihr gemeinsamer Kritikpunkt lautet: „Wir finden, dass kein Buchhändler den Verkauf von Büchern blockieren oder auf andere Weise verhindern sollte – oder auf andere Weise Kunden davon abhalten sollte die Bücher zu bekommen, die sie haben wollen.“ Es gehe also nicht um die Verlage, sondern um die Autoren.

Allerdings gehen Buchläden auch nicht immer zimperlich mit Autoren um: So boykottierten die Buchhandelskette „Barnes & Noble“ und weitere Buchhandlungen Bücher, die über Amazon verlegt wurden. Die Folge: Die Bücher gab es in Läden kaum zu kaufen.

Ob das Schreiben Amazons Politik verändern wird, ist fraglich. Jedenfalls wird der offene Brief das Image Amazons nicht gerade verbessern.

Walter Epp
Walter Epp
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

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