Trotz Wella-Niederlage
Henkel sieht sich nicht unter Zugzwang

Akquisitionen sind für den Konsumgüterhersteller Henkel KGaA derzeit keine Notwendigkeit, um sich im Markt behaupten zu können. Das sagte der neue Henkel-Finanzchef (CFO) Lothar Steinebach dem Handelsblatt.

DÜSSELDORF. Steinebach, der am 1. Juli Jochen Krautter ablöste, ist zur Zeit auf Roadshows dabei, Analysten und Investoren von dieser Ansicht zu überzeugen. Keine ganz leichte Aufgabe, wie der 55-Jährige weiß: „Es ist zur Zeit schwierig, mit Investoren zu sprechen, weil sich bei ihnen die Meinung ausgebreitet hat, dass Henkel einen Partner braucht, um bestehen zu können.“

Spekulationen, dass sich Henkel durch Akquisitionen verstärken muss, haben im Zuge der Übernahme der Wella AG durch den US-Konsumgüterriesen Procter & Gamble neuen Aufwind bekommen. Viele Analysten fragen sich, ob Henkel angesichts des sich verschärfenden Wettbewerbs im internationalen Kosmetikmarkt nicht zu klein ist. Zumal Henkel selbst für Wella geboten hatte, aber nicht zum Zuge kam.

Der Henkel-Finanzchef hält dagegen: „Wir sehen auch durch die Wella-Übernahme von Procter & Gamble für uns kein Muss, eine Akquisitionen zu tätigen. Es gibt Unternehmen unserer Größenordnung, die sehr erfolgreich arbeiten.“ Man habe Wella als Chance gesehen, nicht als Notwendigkeit. Zudem deutete Steinebach an, dass Henkel gut vorankomme, bessere Renditen zu erwirtschaften.

Beiersdorf als Ergänzung

Aktuell halten viele Analysten das Hamburger Kosmetikunternehmen Beiersdorf für eine sinnvolle Ergänzung von Henkel. Eine Überlegung, der sich Steinebach auf den Roadshows zwar nicht verschließt, wie Petra Meyer von Sal. Oppenheim im Nachgang einer Roadshow mit dem Henkel-Finanzchef berichtet. Offiziell aber kommentiert dies Steinebach nicht.

Vorgänger Krautter hatte im Frühjahr noch davon gesprochen, dass Henkel theoretisch 7 Mrd. Euro in Akquisitionskasse besitze. Krautter verwies damals auf Beteiligungen in den USA, die man kurzfristig verkaufen könne. Seinem Nachfolger ist nun allerdings daran gelegen, dass diese Aussage nicht überbewertet wird: Spekulationen über den Wert angeblich zum Verkauf stehender Assets fehlt seiner Meinung nach die Grundlage. Schließlich habe Henkel keine Absicht, etwas zu verkaufen

.

Die aktuelle Finanzierungskapazität liegt seiner Aussage nach in einer Größenordnung von 2 bis 3 Mrd. Euro. Die Ende Mai begebene Anleihe im Wert von 1 Mrd. Euro soll nach seinen Worten demnächst fällige Anleihen ersetzen. Auch hier war im Markt zunächst spekuliert worden, Henkel wolle sich Mittel für einen Zukauf verschaffen.

Steinebach bekräftigte die Ankündigung von Henkel-Chef Ulrich Lehner, das Unternehmen werde seinen Umsatz bereinigt um Wechselkurseffekte, Beteiligungsverkäufe und Übernahmen um 4 % steigern. Das Ergebnis je Aktie soll um knapp 10 % gesteigert werden.

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