Trotz Wiederaufbau
Wiesenhof-Brand kostet Arbeitsplätze

Der Großbrand im Schlachthof Lohne des Geflügelverwerters Wiesenhof wird wohl Entlassungen zur Folge haben. Die Produktion liegt bis auf weiteres lahm, ein Teil der Belegschaft wird schlichtweg nicht gebraucht.

Düsseldorf, LohneDer Geflügelproduzent Wiesenhof hat jetzt erstmals eingeräumt, dass der Großbrand in der Schlachterei im niedersächsischen Lohne auch Arbeitsplätze kosten wird. Wegen des Produktionsausfalls werde das Unternehmen „einen Teil seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorerst leider nicht weiterbeschäftigen können“, gab das Unternehmen bekannt. Der am Ostermontag ausgebrochene Brand dürfte den Betrieb für Wochen lahmlegen. In Lohne wurden pro Tag bis zu 370.000 Hähnchen geschlachtet

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – insgesamt 1.200, darunter 750 Festangestellte und 450 Leiharbeiter und Werkvertragsbeschäftigte – wurden am Dienstag-Nachmittag im Rahmen einer Mitarbeiterversammlung über den aktuellen Stand vor Ort informiert. Dabei erfuhren sie, dass die Planungen zum Wiederaufbau der Oldenburger Geflügelspezialitäten in den nächsten Tagen anlaufen werden und die Geschäftsführung alles tun werde, um so schnell wie möglich den Betrieb in Lohne zumindest teilweise wiederaufnehmen zu können.

Wiesenhof hat neben zwei Betrieben in Lohne neun weitere Verarbeitungsbetriebe in Deutschland - in Bogen (Bayern), Dannenberg (Niedersachsen), Grimme (Sachsen-Anhalt), Holte (Niedersachsen), Möckern (Sachsen-Anhalt), Niederlehme (Brandenburg), Rietberg (Nordrhein-Westfalen), Wildeshausen (Niedersachsen) und Zerbst (Sachsen-Anhalt).

Wie lange bleibt der Betrieb geschlossen und hat das Auswirkungen auf das Wiesenhof-Angebot? „Zum jetzigen Zeitpunkt gehen wir davon aus, dass die Schlachtung in den nächsten Wochen nicht wieder aufgenommen werden kann“, sagt eine Wiesenhof-Sprecherin. Die schlachtreifen Tiere sollten sofort zu anderen Standorten gebracht werden. Zumindest Engpässe in der Versorgung der Verbraucher mit Hähnchenfleisch werde es nicht geben.

Vor einem Jahr war bereits eine Schlachtanlage von Wiesenhof im bayerischen Bogen komplett abgebrannt. Auch damals hatte der Großbrand Arbeitsplätze gekostet. Von den damals 534 festen Mitarbeitern verloren 240 ihren Job. Für die Mitarbeiter, die die Kündigung bekamen, wurde aber ein Interessenausgleich mit Sozialplan erstellt, der damals auch von den Gewerkschaften als fair bezeichnet wurde. Auch für die Beschäftigten aus Lohne soll es diesmal wieder einen Sozialplan geben, teilte das Unternehmen mit. Wer seine Job verliert, werde eine Abfindung erhalten, die den Lohnausfall berücksichtige.

Das Unglück sei „ein großer Schock für die Stadt Lohne“, sagt Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer (CDU). Die beste Nachricht sei, dass niemand ernsthaft zu Schaden gekommen sei. „Ich bin vor Ort gewesen, habe auch die Verpuffungen gehört und Angst um die Feuerwehrkräfte gehabt.“ Über 400 Feuerwehrleute hatten stundenlang gegen die Feuersbrunst gekämpft. Die Brandursache ist bisher unklar.

„Wir hatten Glück“, sagt Hubert Schulting, der in einer großen Wohnsiedlung südöstlich der Wiesenhof-Hallen wohnt. Zumindest für einen Teil der Belegschaft am Standort Lohne dürfte dies nicht gelten.

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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