Trübe Stimmung
Textilhändler bleiben auf Mehrwertsteuererhöhung sitzen

Auf den ersten Blick haben Deutschlands Modehändler Grund zur Freude: Ihr Umsatz kletterte in den Monaten Januar bis November, so hat es der Textileinzelhandelsverband BTE errechnet, um zwei Prozent. Tatsächlich aber bleibt die Stimmung trübe.

DÜSSELDORF. Nach Abzug der zum vergangenen Jahreswechsel erhöhten Mehrwertsteuer nämlich gingen die Erlöse der deutschen Modehändler um 0,6 Prozent nach unten. Der scheinbare Boom in der Bekleidungsbranche hat damit nur einem die Taschen gefüllt: dem Finanzminister. Mit einem Jahresumsatz von 58 Mrd. Euro stellen die Textilverkäufer nach den Supermärkten Deutschlands zweitgrößte Einzelhandelsbranche.

Das verhaltene Geschäft hatten Deutschlands Textilhändler befürchtet. Bei einer BTE-Umfrage vor einem Jahr plante bereits die Mehrzahl der Modehändler mit sinkenden Verkaufszahlen. Dass sich die düsteren Prognosen erfüllt haben, verwundert BTE-Präsident Steffen Jost dennoch. „Die Arbeitslosenzahlen sind gesunken“, sagt er, „die Einkommen gestiegen.“ Offenbar gebe es aber immer noch Unsicherheit über die Konjunktur, Angst vor Preissteigerungen sowie eine hohe Sparquote. Tatsächlich lief das Modegeschäft in den vergangenen zwei Jahren mit plus 1,1 Prozent (2005) und plus 2,1 Prozent (2006) sogar besser als in den zurückliegenden elf Monaten.

Die sinkenden Nettoerlöse belasten nun auch die Margen, die im vergangenen Jahr im mittelständischen Textilhandel noch bei durchschnittlich 2,8 Prozent gelegen hatten. „Mindestens ein Prozentpunkt ist in diesem Jahr der Mehrwertsteuererhöhung zum Opfer gefallen“, hat BTE-Geschäftsführer Heijo Gassenmeier errechnet. Nach Untersuchungen des Verbands ging der Rohertrag zwar um 1,2 Punkte auf 54,4 Prozent nach oben. Um die Mehrwertsteuererhöhung auf der Ertragsseite zu kompensieren, wären aber 2,2 Prozentpunkte notwendig gewesen.

Die Daten des Statistischen Bundesamtes belegen dies. Zwischen September 2006 und September 2007 seien die Bekleidungspreise um 0,8 Prozent gestiegen, heißt es aus Wiesbaden. Damit wurde lediglich ein Drittel der Mehrwertsteuererhöhung an den Verbraucher weitergegeben.

Schuld daran dürfte vor allem der zunehmende Preisdruck durch Textildiscounter wie Kik, Takko oder Ernsting’s Family sein. Die Billigläden expandieren derzeit nicht nur mit hoher Geschwindigkeit, in der Branche gelten sie zudem als äußerst profitabel. Allein die Tengelmann -Tochter Kik soll derzeit auf eine Umsatzmarge von acht Prozent kommen, berichten Insider. Der Wettbewerbsdruck wird sich sogar noch verschärfen: Auch der Moderiese C&A will im kommenden Jahr mit einer Billigmodekette unter dem Namen „Avanti“ auf den Markt kommen.

Dennoch hat der Textilhandel die Hoffnung auf den Aufschwung noch nicht aufgegeben. Bei einer Verbandsumfrage erklärten immerhin 40 Prozent der Unternehmen, dass sie im kommenden Jahr mit einem Umsatzplus rechnen – gegenüber 18 Prozent vor zwölf Monaten. 46 Prozent erwarten Erlöse auf Vorjahresniveau. Dabei soll es sogar in den Unternehmen mehr Neueinstellungen als Entlassungen geben.

Tatsächlich könnten sich die Erträge deutscher Textilhändler im kommenden Jahr wieder verbessern. Positiv nämlich wirkt sich zum einen die Dollarschwäche aus, da viele Waren aus dem asiatischen Raum bezogen werden, der sich an der US-Währung orientiert. Außerdem fallen zum Jahresbeginn die Exportquoten für Waren aus China. Der Einkauf dürfte damit für deutsche Importeure wieder günstiger werden.

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