TS24
Strafanzeige gegen Führung von ehemaliger Otto-Tochter

Erst wurde die Firma vom Otto-Konzern mit einer Millionen-Mitgift ausgestattet, dann meldete sie plötzlich Insolvenz an. Jetzt hat sich beim Reparatur-Service TS24 die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.
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MettmannDie Affäre um die ehemalige Otto-Tochter TS24 bekommt eine neue Schärfe. Wie die Staatsanwaltschaft Wuppertal dem Handelsblatt (Dienstagausgabe) auf Anfrage bestätigte, ermittelt die Behörde gegen den TS24-Geschäftsführer Holger Brehm wegen des Verdachts auf Betrug und Verstoß gegen die Insolvenzordnung. Anstoß hierfür war eine Anzeige eines ehemaligen Geschäftspartners von TS24, der Bechtle AG, die für mehrere hunderttausend Euro Software und Hardware an TS24 lieferte und offenbar seit mehr als einem Jahr auf die Bezahlung ihrer Rechnung wartet.

Da Brehm im Februar einen Insolvenzantrag für TS24 stellte, muss Bechtle die Forderungen nun vermutlich abschreiben. Für das Unternehmen aus Neckarsulm dürfte nun der Verdacht naheliegen, dass TS24 weit länger zahlungsunfähig war, als dies zugegeben wurde. Ein Bechtle-Sprecher wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

TS24-Geschäftsführer Brehm sagte auf Anfrage, er habe sich nichts vorzuwerfen. Mit Bechtle gäbe es seit 2010 keine Geschäfte mehr. Details zu der Beziehung wollte er nicht nennen.

Der Reparatur-Service TS24 war im Juli 2009 von Otto an die Hamburger Industrie Holding Elbe Partners verkauft worden. Der Kaufpreis lag bei einem Euro, außerdem verzichtete die Otto-Gruppe auf Forderungen von zwölf Millionen Euro, füllte die TS24-Kasse mit fünf Millionen Euro auf und gab zusätzlich ein Darlehen von fünf Millionen Euro. Elbe Partner-Gründer Ramin Ghalibaf machte sich dann selbst zum Geschäftsführer von TS24, gewährte sich und seinen Partnern bei Elbe Partners hohe Gehälter und Beraterverträge auf Kosten von TS24 und entließ gleichzeitig ein Viertel der Belegschaft. Schon 2010 stockte es mit der Bezahlung von Geschäftspartnern, wie der Fall Bechtle zeigt. Doch erst im Februar 2012 meldete TS24 Insolvenz an.

Kurz bevor TS24 Insolvenz anmeldete, geschah dann wieder etwas Seltsames. Ghalibaf gab die Geschäftsführung ab und kaufte TS24 von den Elbe Partners, also von seinem eigenen Unternehmen. Warum er dies tat, und zu welchen Konditionen dieses Geschäft lief, wollte Ghalibaf auf Nachfrage nicht erklären. Bei einem Gespräch mit dem Handelsblatt Anfang März erwähnte er seinen Funktionswechsel mit keinem Wort. Auch dies wollte er gestern nicht erklären.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

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