Türkei
Auf eigene Faust an den Bosporus

Westliche Unternehmen zieht es in die Türkei, darunter auch viele bekannte deutsche Namen Doch zwischen Okzident und Orient gelten eigene Gesetze. Eine Gebrauchsanweisung für den Neueinsteiger.

ISTANBUL. Als der Schuhhändler Deichmann im Mai die erste Filiale in Ankara eröffnete, war der Andrang so groß, dass die Kunden nur noch schubweise hereingelassen werden konnten. Als die schwedische Möbelkette Ikea in Istanbul startete, kamen 30 000 Türken am ersten Tag – der Rückstau blockierte die Autobahn. Für die Baumarktkette Bauhaus ist die Niederlassung Istanbul eine der erfolgreichsten der Gruppe.

Solche Meldungen kann der Einzelhandel in Deutschland nicht einmal mehr zum Schlussverkauf verkünden - geschweige denn bei einer Ladeneröffnung. Doch nicht nur westliche Handelsfirmen zieht es in die Türkei. Daimler-Chrysler, Coca-Cola, Siemens oder MAN haben in Istanbul in den vergangenen Jahren neue Zentralen aufgebaut. Die Strategie hinter dieser Expansion: In der Türkei herrscht Konsumlust statt Frust – eine lukrative Chance für Händler. Zudem lockt die geografische Lage des Landes: Die Türkei ist für viele Firmen strategischer Ausgangspunkt, von dem aus die Märkte des Nahen Ostens und Zentralasiens erschlossen werden.

Das macht den Standort auch für deutsche Mittelständler interessant, die global wachsen wollen. Experten empfehlen, den Markt auf eigene Faust und ohne Joint-Venture-Partner aus dem Land zur erschließen - eine andere Strategie also, als sie bei der Expansion beispielsweise in China nötig ist. Rechtlich bestünde keine Notwendigkeit zur Zusammenarbeit, erläutert Peter J. Heidinger, Geschäftsführer von Foreign Market Consulting. Zudem würden Joint Ventures oft an Mentalitätsunterschieden scheitern: "Die Türken denken und handeln eher kurzfristig, höchstens sechs Monate im Voraus, die Deutschen demgegenüber eher mittel- bis langfristig."

Auf Alleingang in der Türkei sind bereits Carrefour, Metro, Tesco und Ikea. Doch sehen Experten noch ausreichend Raum für weitere Einzelhändler. Nach einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) entfallen auf eine Million Türken drei Hypermärkte und 17 Supermärkte. Verglichen mit 15 Hypermärkten und 150 Supermärkten im Durchschnitt in Ländern der Europäischen Union ist die Versorgungslage noch ausbaufähig.

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