Türkei

Säuberungswellen erreichen deutsche Wirtschaft

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Schon fast 500 Firmen übernommen

Neben zehntausenden Verhaftungen und Entlassungen im Staatswesen bringen türkische Behörden immer wieder auch Firmen unter ihre Kontrolle, darunter auch Banken und große Konzerne wie die Boydak-Holding, einer der größten Möbelproduzenten des Landes. Den Eigentümern wird in der Regel vorgeworfen, der Gülen-Bewegung nahezustehen. Laut Wall Street Journal wurden bisher 496 Firmen übernommen und dichtgemacht. Mittels eines Ende Juli ausgerufenen Ausnahmezustandes findet das Vorgehen im Rahmen des Gesetzes statt. Offiziell läuft der Ausnahmezustand bis Januar; ob er verlängert wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar.

Erdogans zweifelhafte Mega-Bauten
Dritte Bosporusbrücke in Istanbul
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Innerhalb von weniger als vier Jahren entstand bis 2016 eine rund 1,4 Kilometer lange Brücke über den Bosporus – die dritte ihrer Art. Mit einer achtspurigen Straße und zwei Gleisen verbindet sie den europäischen und den asiatischen Teil von Istanbul.

Rekordverdächtiger Flughafen
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Der Grundstein wurde zwar erst im Juni 2014 gelegt. Doch wenn er 2018 wie geplant fertiggestellt wird, sollen am Flughafen „Istanbul Yeni Havalimani“ bald bis zu 150 Millionen Passagiere abgefertigt werden können. Er wäre damit der größte der Welt.

Präsidentenpalast
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Als „Dienstgebäude des Ministerpräsidenten“ war der Prunkbau in der Hauptstadt Ankara konzipiert worden. Als er 2014 fertig wurde, war Erdogan aber schon Präsident – und zog eben in den umbenannten Palast.

Präsidentenpalast
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1.000 Zimmer soll der rund 400 Milliarden Euro teure Amtssitz laut türkischen Medien haben. Kritiker monieren, der Bau sei illegal in einem Naturschutzgebiet errichtet worden.

Bosporustunnel
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Der erste transkontinentale Tunnel der Welt wurde 2013 eröffnet, rechtzeitig zum 90. Geburtstag der Republik. Der Bahntunnel „Marmaray“ soll dabei helfen, einen Verkehrsinfarkt in Istanbul abzuwenden. Im erst fast fertiggestellten Avrasya-Tunnel sollen Autos auf zwei Ebenen von Europa nach Asien und umgekehrt fahren können.

Mega-Moschee
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Auf einem Hügel über Istanbul entsteht seit 2013 die größte Moschee der Türkei. Bis zu 50.000 Gläubige sollen später darin beten können. Ihre rund 107 Meter hohen Minarette gehören zu den höchsten der Welt.

Kanal İstanbul
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Erdogan selbst spricht von einem „verrückten Projekt“, wenn es um den „Kanal Istanbul“ (mittig im Bild) geht. Die 145 Meter breite und 25 Meter tiefe Schiffsroute soll den Bosporus als parallele Wasserstraße entlasten. Bis 2023, also zum hundertsten Geburtstag der modernen Türkei, sollen Schiffe den Kanal durchfahren können.

Zusätzliche Schwierigkeiten bereiten ausländischen Unternehmen die durchgeschüttelte türkische Wirtschaft sowie der Finanzmarkt. Wegen der unsicheren Lage ziehen sich Investoren zurück, Projektgesellschaften wie ECE gehen somit die Financiers für ihre Engagements aus. Zudem birgt die schwache Türkische Lira ein Währungsrisiko – erst recht, wenn die Erträge in Lira anfallen, die Kosten aber in Euro oder Dollar.

Der Shoppingbetreiber ECE wird nun als eine der ersten ausländischen Firmen Opfer der repressiven Politik aus Ankara. Trotzdem wolle die Firma an ihrem Türkei-Engagement weiter festhalten. Zwei der betriebenen Center, die sich zum Teil im Besitz der Familie Otto befinden – Marmara Park Istanbul und Espark Eskisehir –, seien bisher nicht beeinträchtigt. „Die Umsatzentwicklungen sind weiterhin stabil.“

Die derzeitigen Management-Mandate wolle Türkei-Chef Andreas Hohlmann daher weiterführen und weitere dazu bekommen. „Lediglich der Markt für Neuentwicklungen ist derzeit schwierig, da westliche Investoren im Moment eher nicht in der Türkei investieren möchten“, erklärte der Sprecher. Auf Nachfrage betonte er, der Ausstieg aus dem Management des beschlagnahmten Shoppingcenters erfolge freiwillig. Der Kontakt mit dem Treuhänder der Regierung sei „sehr geregelt und professionell“ verlaufen. „Einen besonderen Druck zur Auflösung des Vertrages hat es nicht gegeben.“

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