Tüv-Fusion
Die Börse ist das Ziel

25 000 Mitarbeiter, 2,2 Milliarden Euro Umsatz: Mit der geplanten Fusion von Tüv Rheinland und Tüv Süd entsteht ein internationaler Prüfriese. Investoren hatten schon lange auf diesen Schritt gedrängt. Arbeitsplätze sollen aber nicht gestrichen werden.

DÜSSELDORF. Tüv Rheinland aus Köln und Tüv Süd aus München wollen fusionieren und das neue Unternehmen börsenreif machen. „Wir werden den neuen Konzern von Anfang an kapitalmarktfähig führen und wollen profitables Wachstum“, sagten Tüv-Rheinland-Chef Bruno Braun und Tüv-Süd-Chef Axel Stepken. Die Fusion wird zur Gründung einer neuen Stiftung genutzt, die mit mindestens 25 Prozent als „unveräußerbarer, neutraler und unabhängiger Dritter“ Aktien halten soll. Damit wird die Macht der Vereine eingeschränkt und ein Umbau der Eigentümerstruktur eingeleitet, der mit einer Beteiligung von Investoren oder einem Börsengang abgeschlossen werden könnte, meinen Branchenkenner.

Der Prüfmarkt mit einem Volumen rund 20 Milliarden Euro gilt als hochattraktiv und ist hart umkämpft. „Unsere Branche befindet sich in zunehmenden Maße im Visier von Investoren“, sagte Braun. Diese hätten die Fusion seit längerem gefordert und bereits wegen einer Beteiligung angeklopft. Es gebe aber keine Pläne, Investoren an dem neuen Tüv zu beteiligen oder schon jetzt an die Börse zu gehen.

Die Dekra gibt sich gelassen. Eine solche Fusion werde bei den Beteiligten viel Energie binden, sagte ein Sprecher des größten deutschen Tüv-Konkurrenten. „Das kann für uns auch eine Chance sein.“ Auch die Dekra strebt nach Kapitalmarktfähigkeit und schließt den Börsengang nicht aus, um die geplante Expansion zu finanzieren. Doch gebe es im Moment auch noch andere Wege, Geld zu beschaffen, sagte ein Sprecher. „Der Börsengang des französischen Konkurrenten Bureau Veritas im Oktober 2007 hat den einen oder anderen von uns zum Nachdenken gebracht“, hatte Braun kürzlich gesagt. Auch der größte Wettbewerber weltweit, die Schweizer SGS Societé Generale de Surveillance, ist börsennotiert.

Durch die geplante Fusion beider Trägervereine der Tüv und die Zusammenlegung der beiden Konzerne soll bis Ende 2008 zunächst aber in Ruhe ein internationaler, technischer Prüfdienst aufgebaut werden. Das neue Unternehmen – der Name ist noch nicht gefunden, soll aber die Marke Tüv enthalten – wird weltweit 25 000 Mitarbeiter beschäftigen und über 2,2 Mrd Euro Umsatz erzielen. Wachstum, insbesondere im Ausland, stehe im Vordergrund, betonten die Tüv-Chefs. Sie werde keine Arbeitsplätze kosten. Hauptsitz des neuen Konzerns soll München werden. Den Vorstandsvorsitz soll zunächst Braun übernehmen. Stellvertreter und designierter Nachfolger wird Stepken. Der Wechsel ist zum 1. Januar 2010 geplant. Braun wird dann den Vorsitz im Aufsichtsrat übernehmen.

Allerdings hat das Kartellamt noch kein grünes Licht für die Fusion der beiden größten Tüv in Deutschland gegeben. Ob Auflagen erteilt werden, konnte eine Sprecherin der Behörde noch nicht sagen. Die Anmeldung läge noch nicht vor.

Dekra ist mit 1,4 Mrd. Euro Umsatz die Nummer eins in Deutschland vor dem Tüv Süd mit 1,25 Mrd. Euro. Tüv Rheinland folgt mit 980 Mill. Euro auf Platz drei.

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