Tui-Aufsichtsrat
Countdown für Hapag-Lloyd startet

Jetzt wird es für Hapag-Lloyd ernst. Die Vorbereitungen für den Verkauf der Tui-Reederei stehen kurz vor dem Abschluss. Am Dienstag will sich der Tui-Aufsichtsrat mit dem Thema befassen.

HB HANNOVER. Die Vertreter der Anteilseigner wollen über den Verkaufsprospekt für die Schifffahrtstochter sprechen, wie ein Konzernsprecher sagte. Dieses so genannte Informationsmemorandum sollen die Kaufinteressenten möglicherweise schon Ende der Woche einsehen können. Die "Welt am Sonntag" hatte vorab berichtet, Aufsichtsratschef Jürgen Krumnow habe für Dienstag Nachmittag zu dem außerordentlichen Treffen in Hannover eingeladen. Über Personalien im Aufsichtsrat werde bei der Sitzung nicht diskutiert, sagte der Sprecher. Bei der Abspaltung der Schifffahrtstochter, die kritische Aktionäre um den norwegischen Großaktionär John Fredriksen zu Beginn des Jahres erzwungen hatten, würden weiterhin mehrere Optionen geprüft. Dies solle bei dem Treffen erläutert werden.

Eine "Personalie im Aufsichtsrat" könnte dessen Chef selbst sein. Der Hauptaktionär John Fredriksen dringt auf eine Ablösung Krumnows. Kreisen zufolge will der norwegische Reeder stattdessen den Aufsichtsratschef des Pharma- und Chemiekonzerns Bayer, Manfred Schneider, an der Spitze des Tui-Kontrollgremiums sehen. Fredriksen selbst ist nicht im Aufsichtsrat vertreten. Er hat angekündigt, den ihm angebotenen Sitz so lange nicht anzunehmen, wie Krumnow das Gremium leitet. Der Norweger hat nach eigenen Angaben seinen Anteil an dem Reise- und Schifffahrtskonzern vor kurzem auf knapp unter 15 Prozent aufgestockt.

Fredriksen hatte im Frühjahr die Abspaltung von Hapag-Lloyd in ein eigenständiges Unternehmen gefordert und damit den nun von Tui betriebenen Verkaufsprozess angestoßen. Der norwegische Reeder hatte sich zuletzt dafür ausgesprochen, die Sparte weiterzuentwickeln und an die Börse zu bringen. Auch eine Partnerschaft mit einer asiatischen Reederei hielte er für günstig, wegen der möglichen Synergien. Mit einer Veräußerung kann er nach eigenen Aussagen aber ebenfalls leben, solange der Erlös hoch genug ausfällt und die Eigner ausreichend daran beteiligt werden. "Tui hat sich für einen Verkauf entschieden, und wir respektieren das", sagte Fredriksens Vertrauter Tor Olav Troim.

Der Aufsichtsratsvertreter des zweitgrößten Aktionärs, des russischen Stahlmagnaten Alexej Mordaschow, wird wohl an dem Treffen in Hannover teilnehmen. Seine Ziele bei der Tui seien langfristig, bekräftigte Mordaschow dem "Spiegel". "Ich bin ein strategischer Investor", sagte der Russe, der zehn Prozent der Tui-Anteile hält. "Mir geht es nicht um den schnellen Rubel. Ich war niemals Spekulant und will es auch nicht sein. Mich interessiert es, ein Geschäft zu entwickeln." Der Tourismus in seinem Land habe nicht zuletzt wegen der Olympischen Spiele 2014 in Sotschi große Perspektiven, sagte Mordaschow in dem Interview. "Russland hat 142 Millionen Einwohner, deren Kaufkraft stetig zunimmt und die vor allem einen Wunsch haben: endlich zu verreisen."

Nach Spekulationen in der Branche könnte die Containerreederei Hapag-Lloyd, die zu den fünf größten der Welt gehört, bis zu fünf Millionen Euro vor Abzug der Schulden einbringen. In den Büchern steht die Tui-Tochter nach früheren Angaben mit rund 3,5 Millionen Euro. Interesse an einem Kauf hatte auch eine Gruppe von Hamburger Investoren um den Spediteur Klaus-Michael Kühne bekundet. Die Arbeitnehmerseite fürchtet um die Arbeitsplätze in Hamburg. Tui-Chef Michael Frenzel hat bisher aber stets betont, dass der Erlös den Ausschlag geben werde beim Verkauf, es werde keinen "politischen Preis" geben.

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