Tui fusioniert mit First Choice
Briten steuern neue Tui Travel

Bei der Konsolidierung des europäischen Touristikmarktes hat der Branchenführer Tui einen Befreiungsschlag gelandet. Konzernchef Michael Frenzel fusioniert die touristischen Aktivitäten des Reise- und Schifffahrtskonzerns mit der britischen First Choice. Obgleich Tui die Mehrheit halten wird, liegt die Führung bei den Briten.

ebe/HB FRANKFURT. Tui werde 51 Prozent an der neuen Tui Travel halten, die Aktionäre von First Choice 49 Prozent, teilten die Briten am Montagmorgen mit. Das neue Unternehmen soll an der Londoner Börse notiert sein. Die Schifffahrtssparte bleibt von dem Zusammenschluss ausgenommen und gehört weiterhin komplett zu Tui. Die deutsche Seite will um 10 Uhr Details zu den Plänen nennen. Dann sollen auch die Geschäftszahlen für 2006 präsentiert werden, was ursprünglich erst am Mittwoch geplant war.

Geführt wird das neue Unternehmen vom bisherigen First-Choice-Chef Peter Long. Tui-Vorstandsvorsitzender Michael Frenzel solle als Chairman an die Spitze des gemeinsamen Führungsgremiums aus Aufsichtsrat und Vorstand rücken. Beide Personalien waren erwartet worden, nachdem die Fusionspläne am Wochenende durchgesickert waren. Der in der Öffentlichkeit auf den britischen Inseln als „Mr. Touristik“ gefeierte Manager Long soll laut Verhandlungskreisen zudem einen Sitz im Holding-Vorstand der Tui erhalten.

Mit einem Umsatz im Reise- und Fluggeschäft von rund 18 Mrd. Euro hat die neue Gesellschaft wieder einen deutlichen Vorsprung vor dem Branchenzweiten, der Karstadt-Quelle-Tochter Thomas Cook. Diese hatte vor einigen Wochen die Fusion mit der britischen Gesellschaft My Travel und ebenfalls Börsenpläne in London angekündigt. Der neue Thomas-Cook-Konzern käme auf einen Jahresumsatz von 12 Mrd. Euro.

Über den Deal zwischen Marktführer Tui und First Choice, Nummer vier des Touristikmarktes in Europa, wurde am Sonntag noch bis in die Abendstunden verhandelt. Der Tui-Aufsichtsrat war am Nachmittag zu einer Sondersitzung zusammengekommen. Nach Informationen des Handelsblatts soll das Geschäft über wechselseitige Beteiligungen ohne die Zahlung eines Kaufpreises abgewickelt werden.

Der britische Tui-Partner gilt in Branchenkreisen als der bei weitem profitabelste Reisekonzern in Großbritannien. In diesem Markt ist der Tui-Konzern seit der Übernahme des Marktführers Thomson Travel präsent. First Choice ist mit rund 15 000 Mitarbeitern in 17 Staaten aktiv. Das Unternehmen hat im Geschäftsjahr 2005/2006 mit einem Umsatz von umgerechnet rund 4 Mrd. Euro einen Vorsteuergewinn von 171 Mill. Euro erwirtschaftet. An der Börse wird First Choice zurzeit mit 2,2 Mrd. Euro bewertet.

Ideale Ergänzung

Das britische Unternehmen wird im Tui-Konzern als ideale Ergänzung zum eigenen Portfolio gesehen, weil es stark in der wachsenden Spezialtouristik der so genannten Baustein-Reisen ist, bei denen sich der Kunde Flug, Hotel, Mietwagen und andere Reise-Bestandteile individuell zusammenstellt. In diesem Bereich ist in Deutschland der zur Rewe-Touristik gehörende Veranstalter Dertour seit Jahren Marktführer.

Vor diesem Hintergrund sei der Deal als Wachstumsstrategie zu verstehen, hieß es im Konzern, nicht als Konsolidierungsabsicht. Die Tui wolle sich mit dem Schritt in der Baustein-Touristik verstärken. Die mit den Briten vereinbarte Konstruktion sieht vor, dass sämtliche touristischen Aktivitäten in Europa in die neue britische Aktiengesellschaft überführt und von London aus zentral gesteuert werden sollen. Ausgenommen sind die Hotel-Aktivitäten, die – neben der Sparte Schifffahrt – weiter von Hannover aus betrieben werden.

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